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Alexander Weinlein
Kurz rezensiert

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat in den vergangenen zwölf Monaten die Anzahl der Buchpublikationen zum Konflikt der beiden europäischen Nationen sprunghaft ansteigen lassen. Wer eine schnelle, aber fundierte Einstiegslektüre in seine Hintergründe und seinen Verlauf informieren möchte, dem sei die Darstellung von Gwendolyn Sasse aus der C.H. Beck-Wissen-Reihe empfohlen.

Die Direktorin des Zentrums für Osteuropa und internationale Studien stellt klar, dass der Ukraine-Krieg nicht mit dem großangelegten militärischen Angriff Russlands am 24. Februar 2022 auf die Ukraine in ihrer Gesamtheit begann, sondern mit der Annektion der Krim durch Russland im Jahr 2014. Die zweite Phase des Krieges habe der "von Moskau kontrollierte Krieg im Donbas" dargestellt, der etwa 14.000 Tote kostete und etwa 1,5 Million Menschen zu Binnenflüchtlingen machte und eine weitere Million Menschen nach Russland vertrieb. Sasse erteilt dem Begriff Ukraine-Konflikt für diese Phase des Krieges eine Absage, weil er suggeriere, es gehe ausschließlich um einen rein inner-ukrainischen Konflikt. Selbst der Begriff "Ukraine-Krieg" sei problematisch. Eine klare Benennung sei "essentiell": "Russland führt in der Ukraine Krieg gegen die Ukraine." Wladimir Putin gehe es um nicht weniger als "die Vernichtung des unabhängigen ukrainischen Staates und der ukrainischen Nation".

Sasse hat ihr Buch im Sommer 2022 vollendet. Insofern konnte sie auch die bemerkenswerten Rückeroberungen der Ukraine im Osten und Süden des Landes nicht berücksichtigen. Trotz des ungewissen Ausgangs scheut sie sich nicht, zumindest einen Ausblick auf die Folgen des Krieges auf die Ukraine, Russland, die Nachbarstaaten und die internationale Ordnung insgesamt zu geben. Abschließende Antworten kann Sasse naturgemäß dazu nicht geben, aber sie benennt und skizziert die entscheidenden Themen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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