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Claus Peter Kosfeld
Not in den Notaufnahmen

Experten aus der Praxis haben im Gesundheitsausschuss über die Not in Notaufnahmen berichtet. Sie forderten vergangene Woche vor allem eine verbesserte Patientensteuerung.

Daniel Labes von der "Aktion: Notaufnahmen retten" schilderte die Probleme aus der Praxis in Berlin. Im Dezember 2022 habe das System kurz vor dem Zusammenbruch gestanden. Viele Notaufnahmen hätten sich wegen Überlastung abgemeldet, an manchen Tagen sei ein Viertel der Notfallstrukturen geschlossen worden, weil die Einrichtungen an ihre Kapazitätsgrenze gekommen seien. Er forderte eine verbindliche Personalbemessung, die sich an den Patientenkontakten orientieren müsse.

Auch Martin Pin von der Deutschen Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) sprach von einer Überlastung der Notaufnahmen, weil es keinen verbindlichen Personalschlüssel gebe. Er warnte, die Überlastung führe zu einer Gefährdung der Patientensicherheit.

Henriette Neumeyer von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) berichtete von Personalengpässen im pflegerischen und ärztlichen Bereich. In der Pflege sei die Lage teilweise dramatisch. Sie kritisierte die Patientensteuerung. So kämen rund 74 Prozent der Patienten zu Fuß in die Notaufnahme, ohne zuvor einen Notruf gewählt oder eine Einweisung bekommen zu haben.

Rettungseinsätze Wulf-Dietrich Leber vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) rügte, es gebe keinen bundesweiten Überblick über Rettungseinsätze. Sinnvoll wäre ein Echtzeit-Monitoring. Das Rettungswesen brauche zudem bundeseinheitliche Regeln. Nach Ansicht Lebers gibt es kein Finanzierungsproblem, sondern ein Standardisierungsproblem. Nicht jeder Notruf dürfe dazu führen, dass der Patient auf einer Krankenhausstation lande. Dazu sei an verschiedenen Stellen ein rechtssicheres Steuerungsverfahren nötig.

Der Gesundheitsforscher Ferdinand Gerlach forderte eine qualifizierte, strukturierte, digital unterstützte, einheitliche Ersteinschätzung von Patienten. Möglich sei eine telefonische Beratung durch Ärzte in einer Leitstelle. Internationale Erfahrungen zeigten, dass auf die Weise rund 30 Prozent der Fälle in guter Qualität erledigt werden könnten. Diese Patienten landeten dann nicht in der Rettungsstelle. Gerlach sagte, es gehe nicht nur um mehr Geld oder Personal, sondern um eine bedarfsgerechte Steuerung der Patienten, kürzere Wartezeiten und eine bessere Versorgung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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