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Aufgekehrt
Sören Christian Reimer
Fake it till you make it!

Es ist ja nicht so, als ob George Santos nicht schon genug Imageprobleme hat. Jetzt soll er auch noch einen krebskranken Hund betrogen haben. Aber der Reihe nach: Der 34-jährige Santos wurde vergangenen November für die Republikaner ins US-Repräsentantenhaus gewählt. Seine Wahl war ein wichtiger Sieg für die Konservativen im Rennen um die Mehrheit in der Kongresskammer, war der Wahlbezirk doch davor eine feste Bank für die Demokraten. Doch kurz nach der Wahl fiel den Medien auf, dass es Santos mit seinen biographischen Angaben nicht ganz so genau genommen hatte - um es freundlich auszurücken. Seine Hochschulabschlüsse? Hat er nicht. Seine Tätigkeit für große Investmentfirmen? Davon wissen die Firmen gar nichts. Seine angeblich jüdische Herkunft? Wohl mehr Fantasie denn Realität. Seine Angaben zum Immobilienbesitz seiner Familie? Fake News. Ach ja, in Brasilien läuft noch ein Verfahren wegen Scheckbetrugs gegen Santos und bei seiner Wahlkampffinanzierung werden auch Ungereimtheiten vermutet.

Auch zu dem von ihm angeblich gegründeten Wohltätigkeitsverein für Tiere in Not finden sich wohl keine behördlichen Angaben. Womit wir beim Hund sind: Eine der jüngsten Enthüllungen in der Santos-Saga betrifft den krebskranken Hund eines obdachlosen Veteranen. Demnach soll Santos für die Operation des Hundes eine Spendenkampagne ins Leben gerufen haben. 3.000 Dollar sollen zusammengekommen sein, den Hund und seinen Besitzer haben sie allerdings nie erreicht - so zumindest die Vorwürfe, die Santos zurückweist.

Konsequenzen braucht Santos bisher nicht zu fürchten. Einen Rücktritt lehnt er ab, die Republikaner im Kongress scheinen einen Rauswurf nicht forcieren zu wollen. Und mit Betrügen, Blenden und Bullshit hatte es einst Donald Trump ins Weiße Haus geschafft. In dem Sinne: Fake it till you make it, George!Sören Christian Reimer

Aus Politik und Zeitgeschichte

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