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Wirtschaftliche Folgen des Iran-Kriegs : "Noch ist das Wachstum nicht in Gefahr"

Deutschlands Wirtschaft ist heute weniger energieintensiv als früher, sagt Ökonom Friedrich Heinemann mit Blick auf Energiepreise und Folgen für den Bundeshaushalt.

03.03.2026
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3 Min

Nach den am Samstag von Israel und den USA gestarteten Angriffen auf den Iran, bei denen Teile des iranischen Regimes getötet wurden, hat Iran die strategisch wichtige Straße von Hormus im Persischen Golf für geschlossen erklärt. Der Krieg im Nahen Osten lässt seitdem die Weltmarktpreise für Gas und Öl in die Höhe schnellen. Und auch der DAX rutschte auf den tiefsten Stand seit Monaten. Die Europäische Zentralbank (EZB) befürchtet bei einem längeren regionalen Konflikt im Nahen Osten einen spürbaren Anstieg der Verbraucherpreise. Was auf die deutsche Wirtschaft und die Verbraucherinnen und Verbraucher zukommt und welche möglichen Risiken für den Bundeshaushalt bestehen, erklärt ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann im Interview.


#1

Welche Folgen hat der Iran-Krieg für den Öl- und Gaspreis?

Friedrich Heinemann: Das hängt ganz davon ab, wie lange sich der militärische Konflikt jetzt hinzieht und ob danach mehr oder weniger Stabilität in der Region herrscht. Die Unsicherheit darüber ist jetzt erst einmal sehr groß. Allerdings waren die ersten Ausschläge des Ölpreises eher moderat. Eine Ölkrise mit starker Angebotsverknappung ist nicht in Sicht, eher ein moderater Kostenanstieg. Deutlich stärker haben die Preise für LNG-Gas reagiert, das betrifft Europa und Deutschland stärker, auch wegen der Rolle der Gaspreise für den Spitzenbedarf beim Strom.

Foto: Anna Logue
Friedrich Heinemann
ist Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und außerplanmäßiger Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.
Foto: Anna Logue

#2

Was bedeutet das für die deutsche Wirtschaft? Ist das prognostizierte Wachstum von einem Prozent in diesem Jahr in Gefahr?

Friedrich Heinemann: Noch ist dieses Wachstum nicht in Gefahr. Die deutsche Wirtschaft ist längst nicht so energieintensiv wie in früheren Ölkrisen. Höhere Energiepreise sind bitter für energieintensive Wirtschaftssektoren, aber treffen die Wirtschaft längst nicht mehr in der Breite. Etwas anderes wäre es, wenn eine langanhaltende militärische Auseinandersetzung die ganze Golfregion destabilisiert. Das würde die Weltwirtschaft verunsichern und auch Deutschland spürbar treffen. Ein anderes Risiko verläuft über den Privatkonsum in Deutschland, der eigentlich eine Stütze ist. Wenn anhaltend höhere Benzin- und Gaspreise die privaten Haushalte verunsichern, könnte das der Konsumkonjunktur zusetzen. Das ist momentan aber alles nicht das wahrscheinliche Szenario.

#3

Kann der Anstieg des Öl- und Gaspreises damit auch die Lage für den Bundeshaushalt 2027 verschärfen?

Friedrich Heinemann: Im ungünstigen Szenario eines langanhaltenden Konflikts, ja. Dauert die kriegerische Auseinandersetzung nur wenige Wochen, dürfte das kaum Auswirkungen auf Wachstum und Steuereinnahmen in Deutschland haben.

#4 

Inwiefern wird dadurch der Reformdruck in Deutschland mit Blick auf die Sozialausgaben steigen?

Friedrich Heinemann: Der Reformdruck mit Blick auf die rasch steigenden Kosten von Rente, Gesundheit und Pflege ist für jeden aufmerksamen Beobachter eigentlich jetzt schon dramatisch. Wer einen Krieg braucht, um diesen Reformdruck zu verspüren, der ist ein Künstler der Verdrängung.

#5

Ist es in so einer Situation eine gute Idee, Gaskraftwerke zu bauen und die Förderung erneuerbarer Energien wie Photovoltaik (PV) zu reduzieren?

Friedrich Heinemann: Es ist immer eine gute Idee, Klimapolitik mit Kosteneffizienz zu verbinden. Es nützt dem Klima wenig, wenn an Sommertagen mit PV-Strom-Überschuss und negativen Strompreisen das PV-Angebot noch weiter hoch subventioniert wird. Hier kann die Reduktion der Förderung zum Beispiel durch die Beseitigung fester Einspeisevergütungen vernünftig sein. Neue Gaskraftwerke bleiben leider vorerst unverzichtbar für die Sicherung der Netzstabilität. Die Gasversorgung ist dank diversifizierter Bezugsquellen von Norwegen bis USA durch den Iran-Krieg nicht gefährdet. Allerdings könnten dauerhaft höhere Gaspreise auch die Strompreise wieder nach oben treiben. Ökonomisch wären Ausfälle der Stromversorgung jedoch viel kostspieliger als hohe Preise, auch deshalb bleiben neue Gaskraftwerke sinnvoll. Klar ist aber: Der weitere Ausbau der Erneuerbaren in Kombination mit einem intelligenteren und flexibleren Stromnetz kann helfen, die Abhängigkeit für fossile Importe zu verringern.

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