Themenausgabe
Peter Scholl-Latour
SICHERHEITSPOLITIK
Peter Scholl-Latour über seine Sicht der bipolaren Welt nach dem Zweiten Weltkrieg
Ende der fünfziger Jahre, irgendwo in der Magdeburger Börde. In einem Behelfsbunker, der als Gefechtsstand dient, beugen sich sowjetische Offiziere über einen Kartentisch. Die norddeutsche Tiefebene ist zu erkennen. Pfeile zeigen westwärts auf Braunschweig und Hannover. Diesen Pfeilen sollten die
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Kirstin Wenk
BÜNDNISORGANISATION
Eine Vielzahl von Stäben und Kommandos
Als im April 1949 Vertreter von zwölf Staaten Europas und Nordamerikas in Washington den Nordatlantikvertrag unterzeichnen, hatten sie ein klares, gemeinsames Ziel: Ein Bündnis zu schmieden, das jedem der Mitglieder Beistand leistet, wenn dieses von einem anderen Staat angegriffen wird. Artikel 5
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Christoph Lötsch
AFGHANISTAN
Taliban greifen die Nachschubwege der Nato an. Sicherheitsprobleme bestehen auch in Pakistan
Brennende Lastwagen, rauchende Container. Dazwischen schemenhafte Gestalten. Rufe. "Allahu akbar!" - Gott ist groß. Anfang Dezember in der pakistanischen Grenzstadt Peshawar: Ungehindert von Wachmannschaften waren Taliban-Kämpfer in Nachschublager der Nato-geführten Afghanistan-Schutztruppe ISAF
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Martin Rink
GEMEINSAME VERTEIDIGUNG
Adenauer legte großen Wert auf einen militärischen Beitrag Westdeutschlands
Als am 4. April 1949 der Washingtoner Vertrag unterschrieben wurde, war die Bundesrepublik Deutschland noch nicht gegründet, und es erschien nur wenigen vorstellbar, dass es jemals einen deutschen Verteidigungsbeitrag zur Sicherheit des Westens geben würde. Gerade die Vor- und Frühgeschichte des
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Johannes Varwick
KALTER KRIEG
Die Abschreckung hat funktioniert
Die Geschichte der Nato in der Zeit des Kalten Krieges ist im Rückblick eine Erfolgsgeschichte. Als am 4. April 1949 die Vertreter von zehn europäischen und zwei nordamerikanischen Staaten in Washington den Nordatlantikvertrag unterzeichneten, war dies allerdings nicht absehbar. Erstmals seit der
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Interview
HANS-DIETRICH GENSCHER
Der ehemalige Außenminister über Geschichte und Zukunft des Bündnisses
Welche Gedanken und Gefühle, Sorgen und Hoffnungen bewegten Sie, als Sie damals noch in Ihrer Heimat Halle in der DDR lebten und von der Gründung der Nato erfuhren? Ich hielt die Gründung der Nato für richtig und notwendig. Es war damals klar erkennbar, dass die Sowjetunion ihren Einflussbereich in
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Michael Rühle
STRATEGIE
Abschreckung war gestern, heute muss die Allianz handeln. Dazu braucht sie ein neues Konzept - aber welches?
Am 4. April 2009 feiert die Nato ihr sechzigjähriges Bestehen. Sechs Jahrzehnte sind ein erstaunliches Alter für ein Bündnis souveräner Nationalstaaten, dessen Gründung im April 1949 zahlreiche Zeitgenossen mit Skepsis begegneten. Manche Amerikaner sahen in diesem Bündnis mit Westeuropa einen
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Martin Rink
ERWEITERUNG
Auch ein Beitritt von Israel zum Bündnis wurde schon debattiert
Die Nato ist von Anfang an immer offen für neue Mitglieder gewesen. Die Bündnisgeschichte weist daher eine Vielzahl von Erweiterungsrunden auf. Zu den zwölf Gründungsmitgliedern im April 1949 kamen drei Jahre später Griechenland und die Türkei hinzu. 1955 wurde die Bundesrepublik Deutschland
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Johannes Varwick
KOOPERATION
Ab 1990 wichtige Ost-West Verträge
Das Ende der Blockkonfrontation stellte auch die Nato vor vollkommen neue internationale Rahmenbedingungen. Der tiefgreifende Wandel in Mittel- und Osteuropa und der Zusammenbruch der Sowjetunion, die bedeutsamen Erfolge bei den Verhandlungen über die konventionelle Rüstungskontrolle, die
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Jan-Phillipp Weisswange
Verhandlungen laufen bereits seit 1948 Seit dem 6. Juli 1948 hatten die Mächte des Brüsseler Vertrags über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zusammenarbeit und kollektive Verteidigung (Belgien, Frankreich, Luxemburg, Niederlande und Großbritannien) mit den USA und Kanada über die
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Jan-Phillipp Weisswange
Der Doppelbeschluss 12. Dezember 1979: Verabschiedung des Nato-Doppelbeschlusses: Angebot an die UdSSR zur beiderseitigen Begrenzung taktischer Mittelstreckenraketen bei gleichzeitiger Ankündigung, andernfalls eine neue Generation von US-Atomwaffen in Europa zu stationieren. Im Gegensatz zu den
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Alexander Sosnowski
RUSSLAND
Im Streit um die Nato-Osterweiterung zieht Moskau dem Westen »rote Linien«
Ein großer Teil der russischen Bevölkerung ist, das belegen Umfragen immer wieder aufs Neue, misstrauisch, ja sogar angsterfüllt gegenüber der Nato. Dies erklärt sich zum einen durch das angestaubte, aber immer noch lebendige Klischee aus sowjetischen Zeiten, dem zufolge sie als ein "Aggressor"
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Peter Boßdorf
GEORGIEN
Das südkaukasische Land muss noch auf den Beitritt warten
Wäre es nach den USA gegangen, dann hätte die Nato auf ihrem Bukarester Gipfeltreffen im vergangenen April Georgien in den sogenannten "Membership Action Plan" (MAP) aufgenommen und damit einen Automatismus ausgelöst, an dessen Ende der Beitritt des Aspiranten schon nach wenigen Jahren gestanden
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Alexander Sosnowski
UKRAINE
Der Beitritt ist in weite Ferne gerückt
In Deutschland ist die Meinung, dass eine Mehrheit der Ukrainer eine Mitgliedschaft ihres Landes in der Nato ablehnt, weit verbreitet. Tatsächlich weisen Umfrageergebnisse eine Zustimmung von 45 Prozent der Bürger in der Ukraine zu der These aus, die Nato sei als ein "Feind" zu betrachten.
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Peter Boßdorf
BALKAN-KRIEG
Im Kosovo garantiert das Bündnis mit seinen Truppen die Stabilität
Washington im April 1999. Die Staats- und Regierungschefs der Nato finden sich in der amerikanischen Hauptstadt zum Jubiläumsgipfel des Bündnisses zusammen. Zum ersten Mal sitzen die Vertreter Polens, Tschechiens und Ungarns als gleichberechtigte Mitglieder mit am Tisch. Wenige Wochen zuvor waren
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Christoph Lötsch
SCHNELLE EINGREIFTRUPPE I
Minenräumen bei der Landeübung auf den Kapverden
Es ist eine Nacht wie im Piratenfilm. Wolken hängen über der aufgewühlten See. Brecher jagen über das Deck. Tapfer kämpft sich das kleine Schiff durch das wütende Wasser der Biscaya, etliche Seemeilen vor der Küste Frankreichs. Der Rumpf der Nussschale besteht aus Holz. "Die Magnetfelder von
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Jan-Phillipp Weisswange
SCHNELLE EINGREIFTRUPPE II
Rotation mit Problemen
Die Nato Response Force (NRF) ist eine schnell einsatzbereite und modern ausgerüstete Eingreiftruppe des Atlantischen Bündnisses für den weltweiten Einsatz, die als ein zentrales Element im Transformationsprozess der Nato gilt. Zu ihr tragen Land-, Luft- und Seestreitkräfte wie auch Spezialkräfte
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Kirstin Wenk
PARTNERSCHAFT I Im Dezember 1991 rief die Nato den Nordatlantischen Kooperationsrat ins Leben, um einen Dialog mit den ehemaligen Gegnern des Warschauer Paktes zu führen. Das Forum sollte dazu dienen, das Feld in Osteuropa nach potenziellen Nato-Anwärtern zu "sichten". Im Jahr 1997 löste der
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Kirstin Wenk
PARTNERSCHAFT II Als Anfang der 1990er Jahre mehrere osteuropäische Staaten den Nato-Beitritt anstrebten, sträubten sich die USA zunächst dagegen und initiierten im Jahr 1994 als Alternative das Programm "Partnerschaft für den Frieden" ("Partnership for Peace", PfP), das die Funktion eines
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Günter F.C. Forsteneichner
SÜDOSTEUROPA
Kombination aus Dialog und Truppenpräsenz
Eine neuerliche Erweiterungsrunde wird die Mitgliederzahl der Nato im Jahr 2009 auf 28 anwachsen lassen. Neu hinzu kommen Albanien und auch Kroatien, womit nach Slowenien, beigetreten im Jahr 2004, ein weiterer Teilstaat Ex-Jugoslawiens Mitglied der Allianz wird. Mazedonien, Bosnien-Herzegowina,
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Günter F.C. Forsteneichner
AFGHANISTAN
Die Sicherheitslage hat sich drastisch verschlechtert. Die Nato steht vor großen Herausforderungen
Afghanistan ist inzwischen ein verfasster Staat, Präsident und Parlament sind frei gewählt. Auch im Gesundheits- und Bildungswesen sowie beim Pro-Kopf-Einkommen lassen sich deutliche Fortschritte erkennen. Diese und andere Aufbauleistungen der internationalen Gemeinschaft können sich durchaus sehen
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Interview
KARL A. LAMERS
Der CDU-Politiker sieht einen wachsenden Einfluss
der nationalen Parlamente und Abgeordneten auf das westliche Bündnis
Regionale Bündnisse nehmen zu, die Europäische Union formt ein verteidigungspolitisches Konzept. Ist die Nato bereits ein Auslaufmodell? Überhaupt nicht. Die Nato ist attraktiver denn je, immer mehr Länder wollen bei ihr Mitglied werden. Sie ist das einzige funktionierende Sicherheitsbündnis
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Kirstin Wenk
NATO-PV
Abgeordnete aus allen Mitgliedstaaten sind an den Vorbereitungen der neuen Strategie beteiligt
Seit dem Ende des Kalten Krieges haben sich die Aufgaben der Nato dramatisch gewandelt. Der Hauptgegner von einst, die Sowjetunion, ist verschwunden. Die Nato ist kein reines Verteidigungsbündnis mehr, sondern eine Allianz, die weltweit operiert, etwa gegen Terroristen und nun auch gegen Piraten.
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Peter Boßdorf
Es ist an der Zeit, das Bündnis auf die Zukunft vorzubereiten. Vor allem das politische Gewicht der Nato muss weiter ausgebaut werden. Die zu erwartende sicherheitspolitische Neuorientierung der USA sollten wir hierfür als Chance nutzen, um uns als Europäer wieder aktiver in die transatlantische
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Johannes Varwick
EUROPÄISCHE VERTEIDIGUNG
Die alte Welt wird noch lange auf einen transatlantischen Pfeiler angewiesen sein
Die klassische Arbeitsteilung, nach der die Nato für sicherheits- und verteidigungspolitische Fragen, die EU hingegen - soweit sie überhaupt in diesem Bereich tätig ist - für darüber hinausgehende außenpolitische Themen zuständig ist, hat sich aufgelöst. Beide Organisationen haben in den vergangenen
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Thomas Bauer
TRANSFORMATION
Die Streitkräfte des Bündnisses rüsten sich für neue Aufgaben
Seit dem Ende der 1990er Jahre befindet sich die Nato in einem regen Prozess der Umstrukturierung und ringt um eine konzeptionelle Neuaufstellung. Diese Veränderungen werden sowohl vom Bündnis als Ganzes als auch von den einzelnen Mitgliedstaaten betrieben. Zusammengefasst werden sie unter dem
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Bernd Bühler, Wolfgang Reineke
FRANKREICH
Abschied von de Gaulles Sonderrolle
Am 7. März 1966 schrieb der französische Staatspräsident Charles de Gaulle seinem damaligen Kollegen im Weißen Haus, Lyndon B. Johnson, dass "die seit 1949 eingetretenen Veränderungen sowie die Entwicklung der Situation Frankreichs und seiner Streitkräfte nicht mehr die Maßnahmen militärischer Natur
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Florian Baumann
ENERGIE
Der Vorrat an fossilen Brennstoffen ist endlich. Es drohen Konflikte um die letzten Öl- und Gasreserven. Auch die Nato kann sich dem Thema Energiesicherheit nicht mehr verschließen
Der Blickwinkel auf unsere Energieversorgung hat sich gewandelt. Im Spannungsfeld von Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gewinnt der ökologische Aspekt, insbesondere in Europa, zunehmend an Bedeutung. Aber auch die Sicherheit der Energieversorgung wird immer wieder
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Thomas Bauer
SCHIFFFAHRT
Das Bündnis bekommt neue Aufgaben zum Schutz des Welthandels
Piraterie ist heute längst nicht mehr nur ein Sujet für amüsante Kinounterhaltung. Seit der Mitte der neunziger Jahre muss man sie vielmehr wieder als eine reale Gefahr für den weltweiten Waren- und Rohstoffverkehr ansehen. Einige Seegebiete wie etwa das Horn von Afrika und die Küste vor Nigeria,
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Sibylle Ahlers
ISLAND
Der Inselstaat kommt ohne Armee aus
Der kleine Inselstaat Island spielt eine Sonderrolle innerhalb der Nato. Die Nordländer unterhalten keine eigene Armee. Trotzdem gehören sie zu den zwölf Gründungsmitgliedern des westlichen Bündnisses. Eigene Streitkräfte will sich das Land mit seinen rund 320.000 Einwohnern einfach nicht leisten.
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