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Sandra Ketterer
Kindergärten fördern Chancengleichheit für Mütter

FRAUEN Experten fordern einen Ausbau der Kinderbetreuung, um Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern zu reduzieren

Einer der Hauptgründe für deutliche Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen ist die Auszeit der Mütter für die Kindererziehung. Darin waren sich die Experten in einer Anhörung des Familienausschusses am 28. Januar einig. Weitere Faktoren seien häufigere Teilzeitarbeit von Frauen und die Berufswahl. Die von Frauen bevorzugten Berufe seien häufig schlechter bezahlt als typische Männerberufe. Der Staat könne Frauen vor allem mit dem Ausbau der Kinderbetreuung helfen, auch für Kinder unter drei Jahren. Nicht einig waren sich die Sachverständigen allerdings hinsichtlich der Einführung eines Verbandsklagerechts, um Diskriminierungsfälle in Unternehmen aufzudecken.

Grundlage der Anhörung waren je ein Antrag der Fraktionen FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen (16/11175, 16/11192, 16/8784). "Es gibt kein Allheilmittel", sagte Achim Dercks vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Lösungsansätze, um die Gehälter von Frauen und Männern anzugleichen, müssten je nach Altersgruppe gesucht werden. Die größten Gehaltsunterschiede seien in der Gruppe der 30- bis 40-Jährigen festzustellen. "Hier schlägt die längere Unterbrechungsphase durch", so Dercks.

"Ab dem 24. Lebensjahr nimmt die unbereinigte Lohnlücke zu", stellte Hans-Peter Klös vom Institut der deutschen Wirtschaft fest. Diese Lücke beschreibe die Unterschiede in den Gehältern der Geschlechter, die sich aufgrund von Faktoren wie Bildungsabschluss oder Elternzeit erklären ließen. Klös machte eine Differenz zwischen den Entgelten von 26 bis 36 Prozent aus und forderte vor allem eine Ausweitung der Kinderbetreuungsangebote und eine erleichterte Rückkehr von Frauen in den Beruf.

Doris Liebscher vom Antidiskriminierungsbüro Sachsen sprach sich für ein Verbandsklagerecht aus. Damit hätten Institutionen die Möglichkeit, für einzelne Frauen gegen Diskriminierung im Betrieb zu klagen. Derzeit müssten diese selbst gegen den Arbeitgeber klagen, was eine zusätzliche Belastung darstelle. "Wir sind kein Verfechter des Verbandsklagerechts", sagte dagegen Armgard von Reeden, Vorsitzende des German Women's Leadership Council des Computerherstellers IBM. Das Unternehmen unterhalte seit vielen Jahren "Diversity Programme". "Wir unterstützen die These, dass Frauen im Unternehmen selber Veränderungen erreichen sollten".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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