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Aus Plenum und Ausschüssen
Nicole Tepasse
Experten: Duales System bietet nicht allen Jugendlichen eine Perspektive

BILDUNG

Der Übergang von allgemeinbildenden Schulen in die berufliche Ausbildung ist ein ungelöstes gesellschaftliches Problem. Das sagte Ulrich Thöne von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in der Anhörung zum Zweiten Nationalen Bildungsbericht im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung am 9. Februar. Thöne begrüßte, dass der Bildungsbericht seinen Schwerpunkt auf dieses Problem lege. "Deutlich wird, dass das duale System nicht mehr in der Lage ist, allen ausbildungssuchenden Jugendlichen nach dem Verlassen der allgemeinbildenden Schule eine Perspektive zu bieten", sagte Thöne. Gleichzeitig seien Alternativen beruflicher Qualifizierung nach wie vor völlig unzureichend entwickelt.

Wolfgang Meyer-Hesemann, Staatssekretär im Bildungsministerium des Landes Schleswig-Holstein, sagte als Vertreter der Kultusministerkonferenz, der Bildungsbericht wolle die verschiedenen Bildungsbereiche in ihrem Zusammenhang darstellen und so die Problemfelder im deutschen Bildungssystem sichtbar machen.

Zu den Problemfeldern gehöre etwa die Bildungslaufbahn von Migranten. "Alarmierend ist, dass sich ihre Chancen auf einen Bildungsabschluss und eine berufliche Karriere eher noch verschlechtert haben", erklärte Reinhold Weiß vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Angesichts des bildungspolitischen Ziels der Bundesregierung, allen jungen Menschen in Deutschland eine vollqualifizierende Berufsausbildung zu ermöglichen, sei eine breit angelegte und abgestimmte Qualifizierungsoffensive für junge Menschen mit Migrationshintergrund erforderlich. Jutta Allmendinger vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin wies allerdings darauf hin, dass vielen Probleme, die Migranten im Bildungsbereich haben, sozioökonomische Ursachen zugrunde lägen. "Der Migrationseffekt als solcher ist eher niedrig", sagte sie.

Ludwig Eckinger vom Verband Bildung und Erziehung Berlin sprach ferner von der "Dramatik des Lehrermangels". Diese hänge vor allem mit dem geringen Ansehen des Lehrerberufes sowie mit oftmals schwierigen Lehr- und Lernbedingungen zusammen. "Der Lehrerberuf darf nicht zum Notnagelberuf degradiert werden", forderte Eckinger. So müsse etwa die Eingangsbesoldung deutlich erhöht werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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