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LEBENSMITTELAMPELGastkommentar
Holger Möhle
Orientierungshilfe

Gesucht wird: der aufgeklärte Verbraucher. Kunden also, die im Supermarkt schon wissen, welche Produkte gut für sie sind und wovon sie besser die Finger lassen. In einem solchen Idealfall wäre die große Mehrheit der Verbraucher so gut informiert, dass sie nicht von Amts wegen geschützt werden müsste - vor dem eigenen Fehlgriff ins Lebensmittelregal. So aber sieht die Realität nicht aus. Deutschland ist da nicht viel anders als vergleichbare Länder. Bei rund 13 Prozent fettleibigen Bürgern muss man sich Gedanken machen, auch wenn der Wert in der internationalen Statistik noch als passabel gilt. Die USA, ein Vorzeigestaat der Schnellküche, taugt nicht als Vorbild.

Das könnte anders werden. Die Lebensmittel-Ampel, die Nährwerte farblich kennzeichnet, soll dem Kunden signalisieren, wann er bedenkenlos zugreifen kann, wo er - Achtung Gelb! - sich besser zurückhalten und bei welchen Lebensmitteln (rote Ampel!) er Abstand halten sollte. Als Horst Seehofer (CSU) noch Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz war, hatte er sich nach anfänglicher Skepsis für die farbliche Nährwertkennzeichnung ausgesprochen. So verkehrt ist die Idee nicht, auch wenn manche die Kennzeichnung lieber der Ernährungswirtschaft überlassen würden - auf freiwilliger Basis. Sicher darf den Verbrauchern eine Portion Eigenverantwortung abverlangt werden. Wenn die Ampel aber der Orientierung dient, kann sie getrost geschaltet werden. Wer bei Rot trotzdem kauft, is(s)t selbst schuld.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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