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Interview
»Wir brauchen ein Ministerium für Jugend und Sport«

SPORTAUSSCHUSS Der Vorsitzende Peter Danckert (SPD) will die Rolle des Sports stärker herausstellen

Warum braucht das Parlament den Sportausschuss?

Sport nimmt im gesellschaftlichen Leben in der Bundesrepublik eine ganz herausragende Stellung ein. Nicht nur Spitzen-, Breiten- und Leistungssport, sondern auch der Sport als Teil einer richtig verstandenen Gesundheitskampagne. Leute, die Sport treiben, leben gesünder. Die Schüler, die Sport treiben, sind klüger als die anderen - das ist wissenschaftlich bewiesen. Außerdem spielt der Sport eine wichtige Rolle bei der Integration. Beim Sport kommen in der Regel alle Schichten der Bevölkerung zusammen - das ist eine ganz herausragende Funktion. Also gehört es auch zu unseren parlamentarischen Aufgaben, diese Dinge zu begleiten.

Diese Begleitung erfolgt unter der Zuständigkeit des Bundesinnenministeriums. Eine zufriedenstellende Lösung?

Ich persönlich neige dazu, diese Zusammenhänge und damit die Rolle des Sports noch stärker herauszustellen, und plädiere dafür, ein Ministerium für Jugend und Sport zu bilden. Immerhin gut die Hälfte der europäischen Länder hat ein solches Sportministerium.

Fühlen Sie sich vom Innenministerium zu wenig wahrgenommen?

Nein, keineswegs. Wir hatten immer Innenminister, die sich sehr intensiv um den Sport gekümmert haben. Da schließe ich den derzeitigen Amtsinhaber Wolfgang Schäuble ausdrücklich ein. Sein Staatssekretär Christoph Bergner ist außerdem bei fast jeder Sitzung dabei. Aber es ist halt nur eine Abteilung in einem sehr großen Haus. Und natürlich geht da der Sport auch ein bisschen unter. Angesicht der genannten Bedeutung wäre es wichtig, wenn er ein eigenes Ministerium hätte.

Seit Beginn Ihrer Amtszeit als Vorsitzender tagt der Ausschuss immer öffentlich. Wie kam es dazu?

Ich habe das vorgeschlagen und mit den Obleuten beschlossen. Meiner Ansicht nach ist das eine Form zu tagen, die sich auch bei anderen Ausschüssen anbieten würde. Zumal wir die Themen, die dort besprochen werden, im Anschluss auch noch mal im Plenum beraten. Da ist also gar nichts groß geheim. Aber es gab auch noch einen anderen Gesichtspunkt: Früher sind die Ausschussmitglieder während der Sitzung immer mal rausgeschlichen und haben den Journalisten das ein oder andere zugeflüstert. Da hab ich mir gedacht: Ist doch besser, wenn die Journalisten gleich dabei sind und sehen was abläuft, um sich selber ein Bild zu machen.

Sie haben im Ausschuss mit DOSB-Chef Thomas Bach oder auch dem Vorsitzenden des Bundes Deutscher Radfahrer Rudolf Scharping oft Spitzenvertreter des autonomen Sports zu Gast. Da knisterte es manchmal ganz schön...

Das liegt daran, dass wir unterschiedliche Aufgaben haben. Wir als Parlament begleiten alle Aktivitäten des Sports. Natürlich aus unserer Perspektive. Auf der anderen Seite sieht sich der Sport als autonom an. Aber im Spitzensport etwa, wo Steuergelder in Anspruch genommen werden, kann man ja nicht sagen: Wir reichen euch mal eben 200 Millionen Euro herüber. Mach damit, was ihr wollt. Da haben wir doch eine Verantwortung.

Wie auch bei der Dopingbekämpfung.

Ja. Thomas Bach sagt immer wieder, der Sport könne das Doping-Problem ganz allein lösen. Das ist eine nicht sachgerechte Auffassung. Er kann es eben nicht, weil er für seine Sanktionen einen positiven Dopingbefund braucht. Die Fälle des Radsportlers Kohl und der Sprinterin Jones, deren Tests immer negativ waren, die aber trotzdem nach eigenen Angaben randvoll mit Dopingmitteln waren, haben doch gezeigt, dass das nicht funktioniert. Und deshalb müssen Gesetze her, die unser gemeinsames Bemühen begleiten.

In die zu Ende gehende Legislaturperiode fielen mit der Fußball-WM im eigenen Land und der Olympiade in Peking zwei Highlights. Welches hat Sie mehr beeindruckt?

Die WM war eine grandiose Veranstaltung. Gut vorbereitet und mit einer begeisternd aufspielenden deutschen Mannschaft. Peking war etwas ganz anderes. Da hat ein ganzer Staat sich darstellen wollen und alles unternommen, um der Welt ein großartiges und störungsfreies Sportereignis zu präsentieren. Das ist schon einen tolle Sache, wenn man das als ,privilegierter Zuschauer' begleiten kann.

Das Interview führte Götz Hausding.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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