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Kurz rezensiert
Jörg von Bilavsky
Angelesen

Wissen wir nicht bereits alles über die Widerständler des Dritten Reichs? Über ihre Motive, ihre Pläne und ihr Schicksal ist hinlänglich geforscht und geschrieben worden. Dennoch wissen wir nur wenig über die letzten Tage, Wochen und Monate, die einige von ihnen auf ihre Hinrichtung warten mussten. Aus den Erinnerungen überlebender Todeskandidaten ist uns manches, aus der Feder eines Exekutierten selten etwas bekannt. Helmuth James von Moltkes Tagebuch und Briefe aus seiner Haft in den Folterkellern der Gestapo und dem KZ Ravensbrück zählen zu der letzteren Kategorie. Sie zeugen eindrücklich davon, wie man im Angesicht des Todes seine Würde bewahren und seine Ängste besiegen kann.

Regelmäßige Bibellektüre, "Spaziergänge" in der Zelle sowie die Briefe und Besuche seiner Frau schützten ihn vor Resignation und Vereinsamung. So erfahren wir in dieser kenntnisreich kommentierten Edition nicht nur vieles über Moltkes emotionale und intellektuelle Überlebensstrategien, sondern dank des unzensierten Tagebuchs auch unbekannte Details über den Alltag eines durchaus privilegierten, aber psychisch dennoch drangsalierten Häftlings.

Helmuth James von Moltke:

Im Land der Gottlosen. Tagebuch und Briefe aus der Haft 1944/45.

Verlag C. H. Beck, München 2009; 350 S., 24,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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