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Jeannette Goddar
Aufbruch zu neuen Küsten

ALBANIEN Als Reiseziel kennen das Land nur wenige - bislang

Als in Osteuropa noch der Sozialismus regierte, wurden Touristen dort längst nicht allerorten freudig begrüßt. Jugoslawien war eine Ausnahme - und die Region profitiert bis heute davon. Mit mehr als zehn Millionen Besuchern jeden Sommer hält Kroatien seit Jahren einen festen Platz unter den Top-20-Touristenzielen weltweit. Andere Länder tun sich im Anwerben von Gästen bis heute schwerer. Ihren Anteil am Tourismus hätten sie allerdings inzwischen alle gern.

Auch Albanien, das am meisten abgeschottete Land hinter dem Eisernen Vorhang überhaupt. Bis 1991 war der kleine Küstenstaat so etwas wie eine "Black Box" auf der politischen wie kulturellen Weltkarte. Es durfte nicht nur kaum jemand ausreisen, der paranoide Diktator Enver Hoxha ließ auch kaum einen hinein. Nun ist das anders. Die Regierung in Tirana sucht Anschluss an die Welt und vor allem an Europa. Und an den Tourismus. Albanien lockt mit einem 350 Kilometer langen Küstenstrich, aber auch mit Ausgrabungsstätten, historischen Städten und einer noch weitgehend unerschlossenen Bergwelt.

Intensive Förderung

In einem Land, in dem jeder vierte Einwohner als arm gilt, wird besonders deutlich, dass Tourismus immer auch Wirtschaftsförderung ist. Wer in Albanien investiert, macht es fit für mehr Gäste: Die Europäische Union unterstützt die Renovierung einiger mittelalterlicher Burgen, die UN-Kulturorganisation Unesco die Instandsetzung des historischen Kerns der Weltkulturerbe-Stadt Gjirokastra, und das Bauunternehmen Hochtief hat den Flughafen von Tirana neu gebaut. Auch die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) widmet sich im Auftrag der Bundesregierung in Albanien keinem Thema so intensiv wie der Förderung des Tourismus. Bewusst hat sich die GTZ nicht die Küste für ihre Aktivitäten ausgesucht. "Den Menschen am Meer geht es auch in Albanien vergleichsweise gut", sagt Ismail Beka, Leiter des GTZ-Büros in Tirana, "wir versuchen Menschen zu erreichen, die noch stärker abgehängt sind". Und so müht sich die GTZ Menschen an einen Ort zu bringen, den bis heute kaum je ein Ausländer betreten hat: Die "albanischen Alpen", eine mehr als zweitausend Meter hohe Gebirgskette an den Grenzen zu Kosovo und Montenegro. Mit deutschen Geldern wird in den Dörfern der Region Menschen beim Ausbau von Gästezimmern geholfen. Zudem wurde die Region kartiert und zum ersten Mal wurden Wander- und Trekkingrouten ausgewiesen. Erste Erfolge stellen sich ein: Vergangenes Jahr kamen mehr als 5.000 Besucher in das Dorf Thethi - eine mehrtausendprozentige Steigerung in wenigen Jahren.

Auch landesweit gilt: Selbst wenn die meisten Albanien-Besucher sich immer noch lediglich für einen Tag von der griechischen Ferieninsel Korfu aus in das unbekannte Land vorwagen, fruchten die Bemühungen der Touristiker. Im vorvergangenen Jahr wurden erstmals mehr als eine Million ausländische Besucher registriert. Sein Auskommen findet jeder zehnte Albaner schon heute im Tourismus.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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