Inhalt

Richard Friebe
Kurz notiert

Ziel 1

Halbierung von extremer Armut und Hunger, sichere Arbeit für alle

Fortschritte

Vor allem in Asien, aber auch in Lateinamerika, hat sich aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung der Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten verbessert.

Schwierigkeiten

Die weltweite Rezession bedroht dieses Ziel. Vor allem in Afrika sind Machtstrukturen und Korruption wichtige Hemmnisse. Besonders in Afrika südlich der Sahara sind die Verbesserungen bisher gering.

Ziel 2

Grundschulbildung für alle Kinder

Fortschritte

In den meisten Zielregionen gehen inzwischen mehr als 90 Prozent der Kinder zur Schule - eine deutliche Verbesserung.

Schwierigkeiten

In Afrika südlich der Sahara hat sich die Situation ebenfalls verbessert, dort gehen allerdings bisher nur 71 Prozent der Kinder in die Schule. Die Programme funktionieren vor allem, wenn Hilfsleistungen für die Eltern an eine Schulpflicht gekoppelt sind.

Ziel 3

Geschlechter-Gleichberechtigung in der Bildung

Fortschritte

In zwei Dritteln der Länder gehen inzwischen gleich viele Mädchen wie Jungen in die Grundschule.

Schwierigkeiten

Insgesamt sind noch immer 55 Prozent der Kinder, die nicht zur Schule gehen, Mädchen. Problemgebiete sind Afrika, Ozeanien und Westasien. Religiöse Gründe, Mädchen nicht in die Schule zu schicken, sind schwer auszuräumen. Auch die hygienischen Verhältnisse in der Schule spielen, etwa für muslimische Mädchen, eine Rolle.

Ziel 4

Reduzierung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel

Fortschritte

2006 lag die weltweite Kindersterblichkeit der unter Fünfjährigen erstmals unter 10 Millionen. In Ruanda sank sie dank verbesserter Gesundheitsversorgung in nur zwei Jahren (2005-2007) sogar um 30 Prozent.

Schwierigkeiten

Etwa zwei Dutzend Länder haben seit 1990 gar keine Fortschritte bei der Reduzierung der Kindersterblichkeit gemacht, vor allem in Afrika südlich der Sahara. Die Vereinten Nationen setzen hier auf zwei Mittel: die Ausbildung von Geburtshelfern und die Verteilung imprägnierter Moskitonetze. Beides könnte die Sterblichkeit bei Geburt und durch Malaria deutlich reduzieren.

Ziel 5

Reduktion der Müttersterblichkeit um zwei Drittel, universeller Zugang zu Mitteln der Familienplanung

Fortschritte

Zwischen 1990 und 2006 ist die Müttersterblichkeit jährlich um ein Prozent gesunken. Teenager bekamen bis zum Jahr 2000 insgesamt weniger Kinder.

Schwierigkeiten

Nach der Jahrtausendwende stoppte der Trend zu weniger Geburten sehr junger Frauen. In Afrika südlich der Sahara liegt die Wahrscheinlichkeit einer Frau, an Geburtskomplikationen zu sterben, noch immer bei 1:22 (vgl. zu 1:7300 in reichen Ländern). Um das Ziel zu erreichen, müsste die Müttersterblichkeit jährlich um 5,5 Prozent sinken.

Ziel 6

Stopp der Ausbreitung von HIV, universeller Zugang zu Aids-Medikamenten, Zurückdrängen anderer Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose.

Fortschritte

Neuinfektionen mit HIV sind zwischen 2001 und 2007 von 3 auf 2,7 Millionen jährlich gesunken, der Zugang zu antiretroviralen Medikamenten hat sich deutlich verbessert. In Äthiopien wurde durch Insektizid-imprägnierte Moskitonetze die Malaria- sterblichkeit von 2005 bis 2007 halbiert. Die Tuberkuloseraten sind weltweit leicht gesunken - hier könnte das Ziel schon deutlich vor 2015 erreicht sein.

Schwierigkeiten

Noch immer leben geschätzte 22 Millionen Menschen in Afrika südlich der Sahara mit HIV. Malaria ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen in Afrika. Verhaltensänderungen, die die Rate von HIV-Infektionen reduzieren können, sind schwer durchzusetzen, Aids-Medikamente hingegen sehr wirkungsvoll. Sie reduzieren auch die Infektionsraten. Weltweit gibt es große Probleme mit Tuberkuloseerregern, die gegen die gängigen Therapien resistent geworden sind.

Ziel 7

Nachhaltiges Wirtschaften, Reduktion des Verlustes von Biodiversität, Zugang zu sicherem Trinkwasser, Verbesserung der Lebensbedingungen der Slumbewohner

Fortschritte

Seit 1990 haben 1,6 Milliarden Menschen erstmals Zugang zu sicherem Trinkwasser bekommen. Vor allem in Südamerika und Asien haben sich die Lebensbedingungen in Slums zum Teil verbessert. Erfahrungen etwa in Millennium-Villages-Projekten zeigen, dass große Verbesserungen mit überschaubarem finanziellem Aufwand in Selbstverwaltung der Einwohner nachhaltig möglich sind. Die Ozonschicht schädigende Chemikalien sind zudem beinahe abgeschafft, große Naturgebiete wurden unter Schutz gestellt.

Schwierigkeiten

Eine Milliarde Menschen leben noch immer ohne sicheres Trinkwasser, 2,6 Milliarden unter unzureichenden hygienischen Bedingungen. Ein Drittel der weltweiten Stadtbevölkerung lebt in Slums, die Hälfte davon unter extrem unsicheren und unhygienischen Bedingungen. Das Artensterben scheint sich zu beschleunigen, der Ausstoß von Kohledioxid hat zugenommen.

Ziel 8

Aufbau einer globalen Entwicklungs-Partnerschaft. Dazu gehören unter anderem spezielle Programme für die ärmsten und am stärksten benachteiligten Länder, fairer Handel und faire Finanzsysteme, sinnvoller Umgang mit der Schuldenkrise der armen Länder, günstiger Zugang zu essenziellen Medikamenten, Nutzung moderner Technologien

Fortschritte

Die Entwicklungshilfe für die ärmsten Länder ist seit 2000 stärker gestiegen als das durchschnittliche Bruttoinlandprodukt der Geberländer. Die beim G8-Gipfel in Gleneagles 2005 beschlossenen Schuldenerlässe haben die Schuldenlast deutlich gesenkt. Im Bereich Technologie wächst vor allem der Mobilfunk in den Entwicklungsländern.

Schwierigkeiten

Die meisten reichen Länder, auch Deutschland, erfüllen ihre finanziellen Zusagen bisher nicht. Handelsbarrieren für Entwicklungsländer sind kaum abgebaut worden. Der Zugang zu billigen Medikamenten hat sich nur geringfügig verbessert. Die Zahl der Internetzugänge liegt in den ärmsten Ländern bei nur etwa einem Prozent.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag