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Helmut Stoltenberg
Schwankende Beteiligung

WAHLVERHALTEN Ein Blick in die »Repräsentative Wahlstatistik« zum Urnengang 2005

Jetzt hat er wieder das Wort: der Wähler - trotz aller Umfragen ein unberechenbares Wesen, das Parteistrategen aller Couleur schon manche Überraschung beschert hat. Dabei gibt es "den Wähler" gar nicht. Das Wahlverhalten der rund 62,2 Millionen Deutschen, die über den neuen Bundestag entscheiden können, wird sowohl regional als auch nach Altersgruppen und Geschlecht teilweise deutlich schwanken, wie die vom Bundeswahlleiter vorgelegte "Repräsentative Wahlstatistik" zur Bundestagswahl 2005 zeigt.

Danach lag beispielsweise vor vier Jahren die Wahlbeteiligung der Ostdeutschen unter 30 Jahren mit 65,7 Prozent noch um ganze vier Prozentpunkte unter der ihrer Altersgenossen im Westen. Insgesamt sank die Wahlbeteiligung in dieser Altersgruppe im Vergleich zur Wahl von 2002 um 1,5 Punkte auf 68,8 Prozent. Von den 60- bis 69-Jährigen gaben dagegen 85 Prozent ihre Stimme ab. Nach Bundesländern differenziert, gab es bei den 60 bis 69 Jahre alten Männern in Schleswig-Holstein die höchste Wahlbeteiligung mit 88 Prozent, die geringste dagegen mit 52,9 Prozent bei den 21- bis 24-jährigen Männern in Mecklenburg-Vorpommern.

Unterschiede zeigten sich auch beim Wahlverhalten von Frauen und Männern. So erhielten etwa die Unions-Parteien 2005 bei den Zweitstimmen von den Männern mit 34,8 Prozent zwei Punkte mehr als die SPD. Bei den Frauen lagen die Sozialdemokraten dagegen mit 35,5 Prozent gleichauf mit der Union. Den Grünen wiederum gaben 8,8 Prozent der Frauen, aber nur 7,4 Prozent der Männer ihre Zweitstimme. Ein Stimmenplus bei den Männern verzeichneten demgegenüber die FDP mit 10,7 Prozent zu 9,0 Prozent sowie Die Linke mit 9,9 Prozent zu 7,6 Prozent.

Die Wählerschaft der Unions-Parteien rekrutierte sich den Angaben zufolge bei der Bundestagswahl 2005 überdurchschnittlich aus älteren Wählern, während die der Sozialdemokraten annähernd der Altersstruktur der gesamten Wählerschaft entsprach. In der Wählerschaft der FDP waren dagegen überproportional viele junge Wähler vertreten. Bei der Partei Die Linke dominierten die 45- bis 59-jährigen Wähler und in der Wählerschaft der Grünen die jüngeren und mittleren Altersgruppen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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