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Kurz rezensiert
Alexander Weinlein
Angelesen

An so manchem Stammtisch wird Adolf Hitler bis heute als Politiker gehandelt, der die Autobahnen baute und die Arbeitslosen von der Straße holte. Propagandistische Lügen überleben als Legenden auch Jahrzehnte historischer Aufarbeitung. Dies gilt auch für die DDR. Selbst 20 Jahre nach ihrem Zusammenbruch haften der SED-Diktatur noch die aufgeklebten Labels an.

Der Historiker Thomas Großbölting hat zusammen mit 16 ausgewiesenen Fachleuten die gängigen Ost-Legenden unter die Lupe genommen. Sachlich und wissenschaftlich fundiert klären sie ihre Leser darüber auf, was es mit der "Sportnation", dem "Leseland" und dem "Friedensstaat" wirklich auf sich hatte, zeigen, wie es um die emanzipierte Frau im Osten stand, ob die "internationale Solidarität" wirklich hoch gehalten wurde oder ob die NVA tatsächlich die "Armee des Volkes" war. Zwei Beiträge über die bis heute anhaltende Wirkung jener Mythen, die in der DDR staatliche Identität stiften sollten, und über den aktuellen Umgang mit der DDR-Vergangenheit vervollständigen den gelungenen und anspruchsvollen Band.

Thomas Großbölting (Hg.):

Friedensstaat, Leseland, Sportnation? DDR-Legenden auf dem Prüfstand.

Ch. Links Verlag, Berlin 2009; 336 S., 19,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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