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Kurz rezensiert
Werner Hornung
Angelesen

Wer jenseits der Großen Mauer unterwegs war, weiß: China ist anders. Aber nicht bloß die fremdartigen Schriftzeichen, sondern auch Denk- und Verhaltensweisen sind oft ungewohnt. Auf solch mentale Unterschiede geht der renommierte Sinologe Helwig Schmidt-Glintzer unter anderem näher ein, um den chinesischen Modernisierungsprozess samt seiner Probleme verständlich zu machen.

Schmidt-Glintzer erklärt, dass man im Reich der Mitte gerne westliches Wissen für praktische Anwendungen übernimmt, doch sich für grundlegende Entscheidungen nach wie vor eher an konfuzianische Lebensweisheiten hält. Zudem hat das Individuum in Ostasien meist immer noch einen anderen Stellenwert als im freiheitlich geprägten Westeuropa. Hierarchisch eingebunden und zugleich geborgen in seiner jeweiligen Gruppe hat sich der Einzelne einzufügen; bei Abweichungen funktioniert die soziale Kontrolle durch die Mehrheit und übergeordnet durch die ängstlich auf Harmonie bedachte Staatsmacht. So verwundert das skeptische Fazit nach fünf kenntnisreich verfassten Kapiteln kaum: "An Demokratie ist in naher Zukunft nicht zu denken."

Helwig Schmidt-Glintzer:

Chinas Angst vor der Freiheit. Der lange Weg in die Moderne.

Verlag C.H. Beck, München 2009;

149 S., 10,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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