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Kurz notiert

Wie kann Deutschland seiner Verantwortung gegenüber ehemaligen Kolonien wie Namibia - früher Deutsch-Südwestafrika - gerecht werden?

Die Bundesrepublik Deutschland bekennt sich zu ihrer Verantwortung gegenüber der Bevölkerung Namibias, besonders den Hereros. Dies wurde bei mehreren Ministerbesuchen in Namibia sowie Initiativen innerhalb des Deutschen Bundestages deutlich gemacht. Namibia erhält insbesondere vor dem Hintergrund der historischen Verantwortung die größte Pro-Kopf-Zahlung an Entwicklungsgeldern aller Partnerländer der Bundesrepublik Deutschland. Selbstverständlich entscheidet Namibia dabei als souveräner Staat in eigener Verantwortung über deren Verwendung.

2004, 100 Jahre nach der brutalen Niederschlagung des Aufstands der Herero durch deutsche Kolonialtruppen, hat die damalige Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul die Opfer um Vergebung gebeten und sich zu Deutschlands Schuld bekannt. Es wurde ein Fonds über 20 Millionen Euro eingerichtet, über den die Lebensbedingungen in den Siedlungsgebieten der betroffenen Volksgruppen verbessert werden sollen. Finanzielle Hilfen machen die Verbrechen nicht ungeschehen. Gemeinsam mit der Bitte um Vergebung können sie aber den Weg zu Versöhnung ebnen.

Dass es gelungen ist, trotz der schwierigen deutsch-namibischen Kolonialgeschichte eine enge und belastbare Freundschaft zu entwickeln, ist eine der ganz großen kulturellen und politischen Leistungen unserer beiden Nationen und der jeweiligen Regierungen. Das zeigt, Deutschland ist nicht geschichtsvergessen.

Unsere historische Verantwortung wird im freundschaftlich-partnerschaftlichen Verhältnis deutlich: Die Bundesrepublik führt einen offenen Dialog und unterstützt Namibia mit dem größten Anteil deutscher Entwicklungshilfe.

Deutschland muss sich mit der eigenen Kolonialschuld auseinander setzen. Das betrifft vor allem die Niederschlagung antikolonialer Kämpfe im damaligen Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) zwischen 1905 und 1907 mit bis zu 180.000 Toten sowie den Völkermord an den Herero und Nama durch die Kolonialtruppen in Deutsch-Südwestafrika (Namibia). Die Bundesregierung muss diesen Völkermord endlich anerkennen und Wiedergutmachung leisten. Dazu muss sie mit der Regierung Namibias in Verhandlungen eintreten, wie es auch ein namibischer Parlamentsbeschluss schon vorsieht.

125 Jahre nach der Berliner Afrika-Konferenz müssen wir uns endlich offensiver unserer kolonialen Geschichte stellen. Das gilt vor allem für den Völkermord an den Herero und anderen Volksgruppen in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Ohne Geschichtsaufarbeitung, Wahrheitsfindung und Wiedergutmachung vor allem durch Zukunftsprojekte kann es keine Versöhnung und echte Partnerschaft mit, und keinen gesellschaftlichen Frieden in Namibia geben. Wir müssen Vertrauen aufbauen und Vorurteile abbauen. Dazu sollte auch ein gemeinsamer Parlamentarier-Dialog angestoßen werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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