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Kurz rezensiert
Jörg von Bilavsky
Angelesen

Wenn der Name Otto von Bismarck fällt, steht vielen noch das Bild vom "Eisernen Kanzler" vor Augen. Einem Staatsmann, der Konflikte angeblich mit "Blut und Eisen" löste und den Feinden des Reiches mit dem Satz "Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt!" drohte. Dass er diese martialische Sentenz mit den Worten "und die Gottesfurcht ist es schon, die uns den Frieden lieben und pflegen lässt" fortsetzte, wird vor allem von seinen Kritikern gern übersehen oder verschwiegen. Der emeritierte "Weimar"-Experte Eberhard Kolb bringt sie zur Sprache und somit die Licht- und Schattenseiten seines Charakters und seiner Politik klar zum Vorschein.

Der Mitherausgeber von Bismarcks Gesammelten Schriften lässt dem Reichseiniger dank "subtiler Quellenanalyse" und ebenso abgewogener wie pointierter Urteile historische Gerechtigkeit widerfahren. Das informative und streckenweise launig geschriebene Porträt bleibt dennoch nicht gänzlich neutral, sondern ist als kritische Würdigung einer Persönlichkeit zu verstehen, die allzu oft verherrlicht oder verdammt wurde. Kolb hat sie auf ein menschliches, bisweilen allzumenschliches Maß gebracht.

Eberhard Kolb:

Bismarck.

Verlag C.H. Beck, München 2009; 144 S., 7,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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