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AUFGEKEHRT
Monika Pilath
Yes, we scan!

Der richtige Name kann imagemäßig entscheidend sein. Wir kennen das: Aus dem etwas angestaubten "Raider" wurde einst "Twix". Das schmeckte zwar noch genauso klebrig-süß wie unter seinem altem Namen, erinnert aber wenigstens nicht mehr an den langweiligen Rainer aus der Parallelklasse.

Manchmal klappt es mit dem Umbenennen aber nicht so recht. So blieb die "Abwrackprämie", was sie war - trotz Millionen Euro schwerer Werbemaßnahmen der Autoindustrie und stetiger Wiederholungen zahlreicher Politiker setzte sich der Begriff "Umweltprämie" nicht durch.

Nun gibt es einen neuen Fall versuchter Namens-Metamorphose. Statt vom "Nacktscanner" ist jetzt immer öfter vom "Körperscanner" zu hören und zu lesen, obwohl es sich offensichtlich um dieselben Geräte handelt. Die neue Generation der Scanner, die beim Sicherheitscheck am Flughafen nicht mehr das ganze nackte Elend zeigen sollen, ist noch in der Erprobungsphase. Das kann dauern.

Aber am Namen lässt sich ja schon mal drehen. Schließlich gilt seit annodazumal "Nomen est omen". Es ist doch was ganz anderes, ob - schön abstrakt - der Körper nach Sprengstoff abgesucht wird oder man sich dafür - gefühlt - ganz nackig machen muss.

Ob die Namenskorrektur auf der Erfolgsscala eher Richtung "Twix" oder Richtung "Abwrackprämie" tendiert, ist allerdings noch nicht ausgemacht. Vielleicht sollte der Bundesinnenminister mal über eine Kampagne mit Anleihen bei Obama nachdenken. Diese könnte dem Durchleuchten insgesamt ein positiveres Image verleihen. Plakate, die freudig "Yes, we scan!" ausrufende Promis zeigen (vor, nicht während des Scans natürlich), würden manchen schamhafteren Deutschen den Gang vors Gerät erleichtern. Und nach dem Scan überreicht ein freundlicher Sicherheitsbeamter ein "Twix". Wie wär's, Herr de Maizière?

Aus Politik und Zeitgeschichte

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