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ORTSTERMIN: BEIM BRANDSCHUTZBEAUFTRAGTEN DES BUNDESTAGS
Sandra Ketterer
»Im Brandfall muss jeder wissen, was zu tun ist«

Es ist eine Besichtigung der besonderen Art. Die Männer in ihren dunkelblauen Uniformen interessieren sich weniger für die Kuppel des Reichstagsgebäudes, auch nicht dafür, wer im Plenarsaal auf welchem Platz sitzt. Vielmehr sind sie daran interessiert, wo die Rettungswege liegen und wie die Löschanlagen funktionieren. Markus Klose zeigt ihnen die Tunnel unter dem Bundestag und geht mit ihnen die Gebäude ab. Er muss alles wissen, was die Männer der Berliner Feuerwehr fragen. Denn Klose ist Brandschutzbeauftragter des Bundestages.

"Die Gebäude und Tunnel sind architektonisch etwas Besonderes, also sind auch die Brandmelde- und Löschanlagen nicht alltäglich", sagt Klose. Es sei enorm wichtig, dass die Feuerwehr gute Ortskenntnisse habe, denn im Falle eines Brandes verstreiche sonst zu viel Zeit, bis gelöscht wird.

"Im Brandfall müssen alle Mitarbeiter der Verwaltung, der fünf Fraktionen und der 622 Abgeordneten wissen, was sie zu tun haben", erläutert Markus Klose. Doch nicht jeder weiß, wie wichtig Kenntnisse darüber sind, wie schnell sich ein Feuer ausbreitet, ob man zuerst Hilfe holt oder selbst löscht, wo die Rettungswege sind.

Im Intranet sind dazu verschiedene Informationen eingestellt. Dort verdeutlicht der Brandschutzbeauftragte Klose sein Anliegen auch mit einem Video, in dem gezeigt wird, wie schnell eine Flamme auf ein ganzes Zimmer übergreifen kann.

Die Auszubildenden werden von ihm persönlich unterwiesen. Zwei Stunden erfahren sie etwas über die Grundlagen, beispielsweise wie ein Feuerlöscher bedient wird. "Sie lernen aber auch etwas fürs Leben", erläutert der Brandschutzbeauftragte, "etwa dass man Rauchwarnmelder in seiner Wohnung installieren sollte oder dass man zu heiß gewordenes Fett in der Pfanne um Gottes Willen nicht mit Wasser löschen sollte."

Für etwa 25 Gebäude ist Klose zuständig. Rund 33.000 Brandmelder sind dort installiert. "Bei einer so großen Zahl kann natürlich auch mal durch Unachtsamkeit von Mitarbeitern ein unnötiger Alarm ausgelöst werden", räumt der Brandschutzexperte ein. Aber es kann auch ernst werden. Kürzlich etwa qualmte ein Müllcontainer im Keller. Auf einem Foto zeigt er den Grund: Eine Dose Pflanzenfett und Mülltüten sind zu erkennen, darauf einige kleine, dunkle Brandflecken. In dem Container hatte sich Rauch entwickelt, der Alarm wurde ausgelöst, die Feuerwehr rückte an. "Der Brand wurde jedoch noch durch aufmerksame Mitarbeiter gelöscht", sagt Klose und fügt hinzu: "Der Rauch ist das Gefährlichste. Einige Atemzüge können bereits tödlich sein."

Natürlich seien Maßnahmen getroffen, dass der Rauch im Brandfall abzieht. Das ist auch dringend geboten: Wenn der Schaumstoff von nur einem Sofa brennt, reiche das aus, um die ganze Halle des Paul-Löbe-Hauses zu verqualmen, nennt er ein Beispiel. Das Haus mit seinen rund 1.000 Büros und den 19 Sitzungssälen für Ausschüsse und Tagungen ist 155 Meter lang, die Halle 23 Meter hoch.

Markus Klose arbeitet seit dem Jahr 2002 im Bundestag. Vorher war er 20 Jahre beim Technischen Überwachungs-Verein (TÜV) Berlin für Arbeits- und Brandschutz in öffentlichen Gebäuden wie Banken, Theatern und Krankenhäusern zuständig. Seine Ausbildung absolvierte er an der Technischen Fachhochschule Berlin. "Eigentlich wollte ich zur Feuerwehr, aber es gab damals keine Stellen. Im Nachhinein bin ich darüber ganz froh", erzählt Markus Klose. Jetzt kümmert er sich mit drei weiteren Kollegen der Verwaltung um Arbeitsschutz und Brandschutz im Bundestag, wobei sein Schwerpunkt auf dem Brandschutz liegt.

Als Brandschutzexperte wird er natürlich auch bei Umbauten gefragt und ist auch bei den Planungen großer Veranstaltungen wie der Bundestagswahl oder der Wahl des Bundespräsidenten eingebunden. "Da muss auf die Freihaltung der Flucht- und Rettungswege besonders geachtet werden", sagt Klose.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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