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AUFGEKEHRT
Sebastian Hille
Her mit den Mäusen!

Die Technik macht immer wieder bemerkenswerte Fortschritte. Das trifft natürlich auf Technik im engeren Sinne, also technische Technik, zu: Wir fliegen heute wie selbstverständlich ins All, betreiben dort eine galaktische Außenstelle, düsen schneller als der Schall, tanken Sonnenblumenöl und bauen Gebäude, die fast einen Kilometer hoch sind. Das trifft aber auch auf Technik im weiteren Sinne zu: Die Gentechnik beispielsweise ist dem menschlichen Genom auf die Spur gekommen oder die Lebensmitteltechnik entwickelt stetig neue Produkte mit phänomenalen Eigenschaften - wie Margarine, die schlank macht.

Wirklich große Fortschritte allerdings geschehen häufig im Verborgenen. Einer dieser - vor allem auch zivilisatorisch - entscheidenden Schritte wird derzeit in den Katakomben des Bundestages gegangen. Während im Plenarsaal der Bundeshalt 2010 auf dem parlamentarischen Prüfstand steht, ist in der bundestäglichen Unterwelt ein Wunderwerk der Technik im Einsatz: die Lebendfalle für Mäuse. Vorbei sind die Zeiten, in denen ein Drahtbügel und ein Stück Käse das letzte waren, was eine Maus sah bevor es "Klack" machte. Die Nager, die der kalte Winter in einige Versorgungsräume getrieben hat, werden heute biologisch und politisch korrekt eingefangen und wiederverwendet, ähhh . . . ausgesetzt.

Die Überlegung, den Langschwänzen nicht wie üblich den Garaus zu machen, sondern sie quasi zu recyclen, entspringt dabei nicht - wie bisher medial vermutet - übermäßiger Tierliebe oder übertriebener politischer Korrektheit. Es ist reiner Haushaltspragmatismus, der sich Raum greift. In Zeiten, in denen Milliarden Mäuse in der Staatskasse fehlen, ist man im Finanzministerium froh um jede Maus, die man kriegen kann. Der Mäuseminister kennt sich schließlich auch am besten aus - mit artgerechter Mäuse-Verwendung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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