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AUFGEKEHRT
Sebastian Hille
Warnen statt tarnen

Gleich ist längst nicht immer gleich. Die Bundeswehr musste jüngst wieder einmal erfahren, dass gerade die ominöse öffentliche Meinung gerne mit zweierlei Maß misst.

Da wäre einerseits die Sache mit dem Alkohol. Getrunken haben sollen sie, die Landesverteidiger. Nach Dienstschluss zwar, dafür aber in rauen Mengen. Ja, in manchen Einheiten gar auf Befehl. Wo gibts denn sowas? Schluckende Schützen, kippende Kanoniere, prostende Pioniere, saufende Sanitäter, göbelnde Gebirgsjäger. Skandal! Nicht nur pazifistische Erstklässler sahen sich in ihren Klischees bestätigt. Deutschland war landauf, landab erschüttert ob der Berichte über die blauen Soldaten.

Rosa Soldaten lassen die Gemüter dagegen kalt. Niemand ist erschüttert, niemand schreit "Skandal!" Dabei geht von rosa Soldaten eine viel größere Gefahr aus als von blauen. Blauen Soldaten schmerzt am nächsten Tag - wenns hart kommt - lediglich der Schädel. Rosa Soldaten dagegen erleben den nächsten Tag - wenns hart kommt - gar nicht mehr.

Weil die Firma, die die Uniformen der deutschen Afghanistan-Truppen reinigt, ein falsches Waschmittel benutzt hat, waren die Tarnfarben der Tarnanzüge plötzlich nicht mehr tarnend, sondern warnend. Und zwar in Rosa. Der Farbstich in der Kleidung hatte zur Folge, dass die Soldaten sich nicht mehr im Schutz der Dunkelheit verbergen konnten. Durch Nachtsichtgeräte waren sie nun - dank der Warnfarbe - zu erkennen.

Das hätte existenzielle Folgen haben können. Zumindest aber strafte es Peter Struck, den ehemaligen obersten Landesverteidiger, Lügen, ohne dass die Öffentlichgkeit davon Notiz genommen hat. Deutschlands Sicherheit wird nämlich doch nicht am Hindukusch verteidigt, wie Struck einst formulierte. Deutschlands Sicherheit wird in der Waschküche verteidigt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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