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GRÜNE GENTECHNIKGastkommentar
Michael Bauchmüller
Offene Gräben

Amflora - selten hat ein deutsches Agrarprodukt solche Aufmerksamkeit erlangt wie die Genkartoffel des Ludwigshafener BASF-Konzerns. 13 Jahre lang beschäftigte das Gewächs Behörden und Regierungen in ganz Europa. Um ein Haar hätte es der Fall Amflora sogar bis vor die Welthandelsorganisation geschafft, doch die EU kam dem zuvor. In Europa ist ihr Anbau nun erlaubt. Geklärt allerdings ist damit noch gar nichts.

Denn die Amflora hat nur die Gräben offen gelegt, die der Streit um die grüne Gentechnik quer durch die Regionen und Ökonomien Europas zieht. Sie ist Chance für Chemiekonzerne, international nicht den Anschluss zu verlieren. Sie verheißt höhere Erträge, und sei es - wie bei der Amflora - nur einen höheren Stärke-Anteil. Doch das alles um den Preis der Verunsicherung: bei Verbrauchern, aber auch unter Landwirten. Wer weiß schon noch, welcher Zutat er vollends vertrauen kann.

Insofern liefern 13 Jahre Streit über die BASF-Kartoffel einiges Anschauungsmaterial. Etwa, dass es ein grundsätzliches Ja oder Nein zur grünen Gentechnik kaum geben kann, dass jeder Einzelfall anders liegt - und dementsprechend auch gesondert diskutiert werden muss. Oder aber, dass jede Zulassung von gentechnisch verändertem Saatgut auch Auswege lassen muss für Regionen, die sich freiwillig für gentechnikfrei erklären wollen. Vor allem aber lehrt der Fall Einiges über den Verbraucher. Wenn es um seine Lebensmittel geht, riskiert er wenig. Dafür sind sie zu wichtig.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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