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Parlamentarisches Profil
Sandra Schmid
Politik konkret: Sönke Rix

18.März 2010: vorletzter Tag der Haushaltsberatungen. Der Bundestag soll den Etat des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verabschieden, doch im Plenum wird noch hitzig gestritten. Gerade die geplante Verkürzung der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes erregt die Gemüter der Oppositionsabgeordneten. Einer, der deutliche Worte der Kritik findet, ist Sönke Rix (SPD). Als "konzeptlos und zerstritten" hatte der 34-jährige Familienpolitiker die schwarz-gelbe Koalition schon am frühen Morgen via Twitter gegeißelt. Am Rednerpult legt der Abgeordnete aus dem Wahlkreis Rendsburg-Eckernförde nach: Die auf sechs Monate reduzierte Wehrpflicht schimpft er einen "faulen Kompromiss". Die FDP wolle sie ganz abschaffen, die Union beibehalten, aber die Wehrpflicht auf sechs Monate zu begrenzen, sei schlicht "konzeptlos".

"Die Einrichtungen können doch mit Zivildienstleistenden, die so schnell wieder gehen, gar nichts anfangen", sagt Rix. Der Sozialdemokrat ist in sein Büro zurückgekehrt, aber das Thema beschäftigt ihn noch immer. Viel sinnvoller als die Pläne der Regierung sei doch, auf Freiwilligkeit zu setzen, findet er. "Würde man statt eines Zivildienstes langfristig die Freiwilligendienste ausbauen, würde man mehr erreichen." Es gehe doch auch um die Frage, welche Perspektiven man jungen Menschen nach der Schule bieten wolle. Rix weiß, wovon er spricht: Er absolvierte seinen Zivildienst nach der Mittleren Reife und einer Ausbildung zum Erzieher in einer Behindertenwerkstatt. Dort gefiel es ihm gut. So gut, dass er nach Ablauf des Jahres als Fachkraft für Berufs- und Arbeitsförderung weiterarbeitete - bis er 2005 in den Bundestag einzog. Noch heute ist Rix nur beurlaubt. Rückkehr in den alten Job nicht ausgeschlossen. "Manchmal würde ich mir wünschen, wieder so etwas Konkretes zu machen", gibt Rix lachend zu. Etwas Konkretes machen - dieser Wunsch zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben, und erst recht durch seine politische Arbeit: Als Schüler organisierte Rix Demonstrationen, trat bereits als 16-Jähriger der SPD bei und engagierte sich bei den Jusos. Doch die theoretischen Diskussionen "über Leninismus und Weltfrieden" waren weniger nach seinem Geschmack: Schnell wechselte Rix in die Kommunalpolitik, wurde bereits mit 18 Jahren Ratsherr in Eckernförde, zuständig für die Jugendpolitik. Da konnte er sich für die Erweiterung eines Jugendzentrums einsetzen oder für den Bau einer Skateboard-Anlage. "Das war so schön konkret", sagt Rix. Und hatte einen erfreulichen Nebeneffekt: Ergebnisse der Politik waren schnell zu sehen. Im Bundestag dauert es meist länger, bis man Erfolge verzeichnen kann. Das hat Rix längst mit Bedauern festgestellt. "Aber wir bohren hier ja auch dickere Bretter." Ein dickes Brett - das wäre etwa die Einführung einer Kindergrundsicherung, für die Rix vehement plädiert. "Es darf nicht sein, dass Alleinerziehende in Deutschland ein so hohes Armutsrisiko haben." Familien bräuchten eine breitere Grundsicherung, so Rix. Steuersenkungen allein nützten da wenig: "Alleinerziehende zahlen oft gar keine Steuern."

Konkret arbeiten und den Bezug zur Wirklichkeit nicht verlieren, darum bemüht sich der Politiker besonders, seit ihn seine Wahl ins Parlament vor fast fünf Jahren in die Bundespolitik hineinkatapultiert hat. Die Bodenhaftung nicht zu verlieren, scheint dem Vater von zwei Kindern gelungen zu sein. Sein Rezept: Rausgehen, mit Menschen reden. "Ich bin zwar gut im Querlesen. Aber ich suche lieber das Gespräch, als eine Entscheidung nur aufgrund von Zahlen zu treffen."

Zu dieser Haltung gehört auch, dass Rix seit zehn Jahren als gesetzlicher Betreuer beim Amtsgericht in Eckernförde arbeitet. "Soziales Engagement und Politik - das lässt sich gar nicht trennen", sagt er. Das Ehrenamt hat er gern übernommen und nicht etwa, um seine Politik zu "untermauern". Wertvoll sind die dabei gewonnenen Erfahrungen für die Arbeit im Bundestag dennoch: "Es ist eben etwas anderes, ob man einem Hartz-IV-Empfänger beim Ausfüllen des Antrags hilft, oder nur über die Formulare in der Zeitung liest."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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