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Alexander Weinlein
»Deutschland verneigt sich vor ihnen«

BUNDESWEHR Trauerfeier für gefallene Soldaten. Diskussion über Ausrüstung und Ausbildung

Mit einer Trauerfeier hat die Bundwehr am 9. April Abschied von den drei am Karfreitag in Afghanistan getöteten Soldaten genommen. Die Fallschirmjäger im Alter von 25, 28 und 35 Jahren aus Niedersachsen und Sachsen waren bei einem Gefecht mit Taliban-Kämpfern nahe Kundus gefallen, vier weitere waren schwer verletzt worden. An der Trauerfeier im niedersächsischen Selsingen nahmen neben den Angehörigen und Soldaten der Luftlandebrigade 31 aus dem benachbarten Bundeswehrstandort Seedorf sowie hunderten Bürgern auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der niedersächische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), und zahlreiche Bundestagsabgeordnete teil.

Bundeskanzlerin Merkel betonte in ihrer Trauerrede, die Soldaten seien für die Freiheit und die Sicherheit der Menschen in Afghanistan und in Deutschland gefallen: "Ich verneige mich vor ihnen. Deutschland verneigt sich vor ihnen." Es gebe wohl niemanden unter den Parlamentariern oder innerhalb der Bundesregierung, der nie Zweifel an dem Kampfeinsatz gehabt hätte. Man müsse sich immer wieder die Gefahren für die Soldaten klar machen.

Verteidigungsminister zu Guttenberg forderte einen offenen und ehrlichen Umgang mit dem Afghanistan-Einsatz: "Was wir am Karfreitag in Kundus erleben mussten, das bezeichnen die meisten verständlicherweise als Krieg - ich auch." Seit Beginn des Isaf-Einsatzes im Jahr 2002 sind 39 Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan ums Leben gekommen, 20 von ihnen starben bei Gefechten und Anschlägen.

Das Feuergefecht bei Kundus hatte in der vergangenen Woche eine heftige Debatte über die Ausrüstung und die Ausbildung des deutschen Isaf-Kontingentes ausgelöst. Verschiedene Politiker aus den Reihen der Koalitionsfraktion und der SPD forderten die Entsendung von Kampfpanzern, Panzerhaubitzen und Kampfhubschraubern nach Afghanistan. Auch der FDP-Parlamentarier Hellmut Königshaus, der im Mai das Amt des Wehrbeauftragten übernimmt, forderte die Stationierung von Leopard-2-Panzern in der Region Kundus. Diesen Forderungen erteilte Generalinspekteur Wieker jedoch eine klare Absage. Er bezweifelt eine abschreckende Wirkung auf Taliban-Kämpfer. Zudem ginge vom Panzer-Einsatz das falsche Signal für die afghanische Bevölkerung aus. "Wir wollen die Menschen beschützen und nicht verschrecken", sagte er der "Bild"-Zeitung. Wieker kündigte jedoch an, dass der Einsatz schwerer Artillerie geprüft werde.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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