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AUFGEKEHRT
Susanne Kailitz
Facebook als Versuchslabor

Das ist Pech: Wer gehofft hatte, im Facebook-Profil der Verbraucherschutzministerin Informationen über ihr Privatleben erhaschen zu können, steht erst einmal vor verschlossener Tür. Denn "Ilse teilt nur einige ihrer Profilinformationen mit allen"; wer im sozialen Netzwerk nicht mit Aigner befreundet ist, sieht nur ein paar Wahlkampfbilder oder erfährt, dass sie Mitglied der Gruppe "Wasserwacht Deutschland" ist.

Doch lohnt es sich, eine Freundschaftsanfrage an Ilse zu schicken? Darf man dann auf Nachrichten wie "Der Guttenberg wollte wieder nicht das Haar-Gel mit mir teilen" hoffen? Wohl eher nicht, denn Aigner streitet seit Wochen mit den Facebook-Gründern um den Datenschutz und warnt vor der Preisgabe privater Daten im Internet.

Das Engagement der Ministerin erscheint löblich - jedenfalls auf den ersten Blick. Auf den zweiten stellt sich ein schlimmer Verdacht ein: Droht Aigner mit der Rückgabe ihrer Facebook-Mitgliedschaft nur, weil sie fürchtet, brisante Feldforschungen nicht mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchführen zu können? Immerhin ist eine der beliebtesten Anwendungen des Netzwerks das Spiel "FarmVille", wo virtuelle Bauern Pflanzen anbauen und Tiere züchten. Wie gemacht für die Landwirtschaftsministerin: Hier könnte sie fernab motzender Ökobauern prüfen, wie schön genmanipulierter Mais blühen kann und ob aggressive Pflanzenschutzmittel wirklich so schädlich für Bienenvölker sind wie von den Grünen gebetsmühlenartig behauptet. Doch das scheint Aigner zu heikel zu sein, wenn jeder sie dabei beobachten kann.

Dabei hätte die Einstellung ihrer Facebook-Aktivitäten einen Vorteil: mehr Zeit für die eigene Homepage. Dort nämlich findet sich ein ausführlicher Lebenslauf der Ministerin als pdf-Datei. Dass das zur Nachahmung dienen soll, darf bezweifelt werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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