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Editorial
Hans-Jürgen Leersch
Deutschland ist Weltmeister!

VON HANS-JÜRGEN LEERSCH

Was ist Logistik? Es handelt sich nicht allein um den möglichst schnellen Gütertransport von Punkt A nach Punkt B. Es ist auch nicht nur die Tugend der Pünktlichkeit, die dafür sorgt, dass der Zug und das Flugzeug wie geplant starten, ankommen, entladen und die Waren möglichst schnell weiter transportiert werden. Vielleicht lässt sich die Logistik am besten so beschreiben: Logistik ist zum Beispiel, wenn Blumen aus anderen Ländern importiert werden und trotz des langen Transports erst dann blühen, wenn sie im Laden stehen. Oder wenn der Hersteller eines Produkts nicht auf jedem Kontinent Lager unterhalten muss, sondern von einem Zentrallager aus die Kunden auf dem gesamten Planeten versorgen kann. Logistiker sorgen dann dafür, dass die Güter schnell ankommen und nicht wochenlang im Zoll feststecken.

Zuverlässige Transportmittel, eine funktionierende Infrastruktur und gute Mitarbeiter sind nicht alles. Transporte sollen möglichst umweltschonend erfolgen. Dies kann, wie in mehreren Beiträgen in dieser Themenausgabe deutlich wird, nur in einem vernünftigen Mix aller Verkehrsträger geschehen. Die Vorteile der Schiene sind ebenso zu nutzen wie die der Schifffahrt. Aber auch der Luftverkehr ist für viele Transporte unverzichtbar. Wer hat noch so viel Geduld und will warten, bis sein Päckchen eine einwöchige Schiffsreise von Amerika bis nach Deutschland hinter sich gebracht hat? Schon im Inland ist es doch so, dass wir ungeduldig werden, wenn eine Bestellung nicht innerhalb von zwei Tagen von der Post zugestellt wird. Neuartige Verfahren wie der Einsatz von RFID-Chips, die an Waren und Containern kleben und Informationen über ihren jeweiligen Standort und den Zustand der Lieferung funken können, beschleunigen den Transport und helfen, Verluste oder zeit- und kostenintensive Fehlleitungen zu vermeiden.

Auch der Straßenverkehr spielt eine wichtige Rolle. Es müssen nicht unbedingt Gigaliner-Lkw mit 40 und mehr Tonnen auf die Straße kommen, um den zunehmenden Verkehr zu bewältigen. Aber wenn die Prognosen einer Verdoppelung des Verkehrsvolumens bis zum Jahr 2050 eintreten, die der Vorsitzende des Präsidiums des Deutschen Verkehrsforums, Klaus-Peter Müller, im Interview zitiert, dann wird dieser Zuwachs ohne eine ordentliche Straßen-Infrastruktur nicht bewältigt werden können.

Die Logistik kann zum Job-Motor werden. Oft wird über hohe Arbeitskosten und überbordende Bürokratie in Deutschland geklagt. Aber andererseits stimmt auch: Nirgendwo ist die Logistik so gut wie in Deutschland, das im Weltbank-Ranking den Stadtstaat Singapur überholte und sich seit Jahresbeginn als Logistik-Weltmeister bezeichnen darf. Der Branche, die gemessen am Umsatz hinter der Autoindustrie und dem Maschinenbau an dritter Stelle in Deutschland steht, tut das gut. Ein neues Selbstbewusstsein ist geweckt und kommt im "Tag der Logistik" am 15. April, an dem sich bundesweit Logistik-Unternehmen der Öffentlichkeit präsentieren, zum Audruck.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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