Inhalt

Aus Plenum und Ausschüssen
Michaela Hoffmann
Mehr Wälder mit heimischer Pflanzen- und Tierwelt schaffen

Landwirtschaft

Die Bundesregierung soll ihr Ziel strikter verfolgen, mehr Wälder mit natürlicher Entwicklung zu schaffen. Das verlangt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in einem Antrag (17/796), in dem sie die Regierung dazu auffordert, einen "zeitlich untersetzten Maßnahmenplan vorzulegen", wie sie ihre selbst gesteckten Ziele in dem Bereich erreichen will.

Mit der nationalen Biodiversitätsstrategie hatte die schwarz-rote Bundesregierung im Jahr 2007 das Ziel formuliert, dass bis 2020 der Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung in Deutschland fünf Prozent betragen soll. "Allerdings hat sie nicht dargelegt, auf welche Art und Weise sie dieses Ziel erreichen will", schreiben die Grünen und fordern, "umgehend die nötigen Maßnahmen einzuleiten". Ansonsten bleibe das Ziel ein "reines Lippenbekenntnis".

Die Antragsteller verlangen von der Regierung, sicherzustellen, dass es sich bei diesen fünf Prozent nicht um kurzfristig aus der Nutzung genommene Wälder, sondern um verbindlich und dauerhaft von forstwirtschaftlicher Nutzung freie Wälder handelt, aus denen sich Naturwälder entwickeln könnten, sofern diese nicht ohnehin schon als solche einzustufen seien.

Für diese Naturwälder soll nach Auffassung der Grünen eine Dachorganisation "Deutsches Naturwalderbe" geschaffen werden, in die Institutionen und Organisationen, die Eigentümer solcher Wälder sind, ihre Flächen ohne Verzicht auf ihr Eigentum einbringen können und welche die Kriterien für die Anerkennung als verbindlich und dauerhaft aus der Nutzung genommene Waldflächen festlegen soll.

Der Bundestag will über den Antrag erstmals am 22. April beraten.

Eine Novellierung des Bundeswaldgesetzes fordert die SPD-Fraktion in einem Antrag (17/1050), in dem sie die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes sowie seine Funktion als Ort der Erholung hervorhebt.

In einem neu formulierten Bundeswaldgesetz sollte nach Meinung der Parlamentarier der gesetzliche Bezug zu den Zielen der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie verankert werden. Dabei seien unter anderem folgende Grundsätze im Bundeswaldgesetz zu verankern: die Erhaltung des Waldökosystems als Lebensraum einer artenreichen heimischen Pflanzen- und Tierwelt, die Sicherung einer langfristigen, nachhaltigen forstlichen Produktion und Holzerzeugung, der Aufbau naturnaher Wälder mit hinreichendem Anteil standortheimischer Baumarten und der Verzicht auf Entwässerungsmaßnahmen, die über das bisherige Maß hinausgehen.

Etwa ein Drittel der Landesfläche Deutschlands ist mit Wald bedeckt, heißt es in dem Antrag. Die Bedeutung der Wälder für unsere Gesellschaft gehe weit über das Wirtschaftliche hinaus. Obwohl in den vergangenen Jahren Anstrengungen hinsichtlich der Schadstoffreduzierung unternommen worden seien, "sind die Wälder nach wie vor hohen Belastungen ausgesetzt", vor allem mit Stickstoffverbindungen aus der Landwirtschaft und dem Verkehr. Ein modernes Bundeswaldgesetz dürfe nicht den aktuellen Stand des Wissens über ökologische und ökonomische Zusammenhänge im Wald und in der Forstwirtschaft ignorieren. Es müsse die Erkenntnisse aus diesem Gebiet aufgreifen und ihnen einen allgemeingültigen rechtlichen Rahmen geben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag