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AUFGEKEHRT
Alexander Weinlein
Glänzende Abwesenheit

Kopf hoch Patrioten! Einmal mehr weist uns die Politik den Weg aus der schlimmsten Krise der vergangenen vier Jahre. Die Kicker des 1. FC Bundestag haben es vorgemacht und gewannen ganz souverän das 38. Internationale Parlamentarier-Fußballturnier im östereichischen Linz - ohne ihren Mannschaftskapitän, den Abgeordneten Klaus Riegert. Dessen Part hatte der Parlamentarier Heinz-Peter Haustein als Vizekapitän übernommen.

Damit ist nicht nur einmal mehr die oft beschworene Analogie zwischen Politik und Fußball bewiesen worden. Letztlich stellt sich die Frage, ob der Ball nicht eh besser läuft, wenn der Chef mal Pause macht. Und es würde der bekannten Sentenz, "er glänzte durch Abwesenheit", eine ganz neue Note verleihen. So ganz abwegig ist die Theorie ja nicht. Schließlich fehlte den Bundestags-Kickern in Linz mit Norbert Lammert nicht nur ein weiterer Spieler aus dem Kader, sondern quasi ihr Polit-Chef.

Allerdings sei davor gewarnt, es mit den Analogien zwischen Fußball und Politik zu übertreiben. Über Bundeskanzlerin Angela Merkel wird ja auch gerne mal gemeckert, es mangele ihrem Führungsstil an Präsenz. In Wirklichkeit betreibt sie - ganz der routinierte Profi - ausgiebige Gegnerbeobachtungen, um dann im entscheidenden Moment einen genialen Spielzug einzuleiten, um sich das Vertrauen ihrer Mannschaft zu erhalten. Diese bittere Erfahrung musste in der Vergangenheit schon so mancher Möchtegern-Kapitän machen.

Sollte die Kanzlerin übrigens einmal ausfallen, dann müsste Guido Westerwelle die Kapitänsbinde überstreifen. Der ist ganz gewiss ein Meister des Spiels ohne Ball. Aber ob er ebenso ausgebufft ist wie ein Philipp Lahm, der als heißer Ballack-Vertreter gehandelt wird? Diese Frage beantworten wir aus Gründen der journalistischen Neutralität an dieser Stelle nicht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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