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Kata Kottra
Mehr Geld und Professoren

BILDUNG Linke und Grüne plädieren für eine bessere Lehre

Wieviel Geld bleibt in Krisenzeiten noch für Bildung und Forschung übrig? Am vergangenen Freitag haben die hessischen Hochschulen den "Hochschulpakt" für die Jahre 2011 bis 2015 mit dem Land Hessen nur unter Protest unterschrieben, weil sie jedes Jahr mit 30 Millionen Euro weniger auskommen müssen. Vor diesem Hintergrund standen am gleichen Tag zwei Oppositionsanträge auf der Tagesordnung des Bundestages: Eine "Qualitätsoffensive in der Lehre" forderte die Linksfraktion (17/1737), "gute Lehre an allen Hochschulen" die Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen (17/1588).

»Dramatisch verschlechtert«

Die seit Jahrzehnten andauernde "Unterfinanzierung der Hochschulen", die für die schlechte Qualität der Lehre und hohe Abbrecherquoten bei den Studenten verantwortlich sei, beklagt die Linksfraktion in ihrem Antrag. Deshalb fordert sie, das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern für den Bereich der Bildung "unverzüglich aufzuheben", damit Bund und Länder bei Bildungsaufgaben zusammenarbeiten können. Im Rahmen des sogenannten "Hochschulpaktes", an dem Bund und Länder beteiligt sind, soll der Betreuungsschlüssel zwischen Lehrenden und Studierenden verbessert werden. Denn dieser habe sich in den letzten Jahren von 1:40 auf 1:60 "dramatisch verschlechtert". Deshalb sollen zusätzliche Professuren, dauerhafte Stellen im wissenschaftlichen Mittelbau und Qualifizierungszentren zur Verbesserung der Lehre geschaffen werden. Nach Angaben des Wissenschaftsrates seien dafür jährlich 1,1 Milliarden Euro notwendig. Außerdem fordert die Linksfraktion, bei der Neuauflage des Hochschulpaktes für die Jahre 2011 bis 2015 zusätzlich Förderkriterien der Hochschulen wie beispielsweise die "Abschaffung von Studiengebühren", die "Förderung von Frauen" oder die "Zulassung von Menschen ohne Abitur" zu honorieren.

Auf die zweite Phase des Hochschulpaktes von 2011 bis 2015 nehmen auch die Grünen in ihrem Antrag Bezug: Sie wollen den Pakt

um eine dritte Säule zur Verbesserung der Lehre erweitern. Diese soll finanziell so ausgestattet sein, dass "für alle Studierenden gute Betreuungsrelationen und hochwertige Lehre schnellstmöglich sichergestellt werden können".

Konkret fordern die Grünen Mindeststandards, in denen der Betreuungsschlüssel zwischen Lehrenden und Studierenden festgelegt wird. Auch die "Weiterbildung im Bereich Lehrkompetenz" soll durch Mindeststandards geregelt werden. Außerdem fordert die Fraktion die Einführung von zusätzlichen Professuren und Juniorprofessuren "mit Schwerpunkt Lehre". Die maximale Lehrverpflichtung soll für Professoren auf zwölf Semesterwochenstunden und für Juniorprofessuren auf acht Semesterwochenstunden begrenzt werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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