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FÜR FINANZTRANSAKTIONSSTEUERGastkommen tar
Anna Sleegers
Einzig gangbarer Weg

Eine Steuer auf alle Finanzmarkttransaktionen ist der einzig gangbare Weg, die Verursacher der Krise sinnvoll an den Kosten zu beteiligen. Schon eine minimale Besteuerung von 0,05 Prozent auf jedes Börsengeschäft würde nach Berechnungen des Wiener Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo rund 20 Milliarden Euro in die deutsche Haushaltskasse spülen. Das Geld hat die Bundesrepublik bitter nötig. Denn irgendwann muss der Schuldenberg abgetragen werden, der durch die gigantischen Rettungspakete für die Banken, Griechenland und den Euro entsteht. Wer meint, aus Standorterwägungen den Finanzsektor schonen zu müssen, bürdet die Last unseren Kindern und Kindeskindern auf. Sie werden die Leidtragenden sein, wenn Einsparungen im Bildungsbereich zu weniger Wachstum führen und eine noch striktere Sparpolitik auf dem Rücken der Armen den sozialen Frieden beeinträchtigt.

Der Internationale Währungsfonds lehnt eine allgemeine Transaktionssteuer in einem kürzlich veröffentlichten Gutachten jedoch ab. Er argumentiert vor allem damit, dass die Banken die Kosten einfach auf die Kunden abwälzen werden. Davon ist in der Tat auszugehen. Aber das bedeutet nicht, dass eine Transaktionssteuer automatisch Opas kleine Privatrente schmälert. Im Gegenteil: Als langfristig orientierter Anleger gewinnt er sogar. Denn eine Transaktionssteuer macht die Märkte weniger anfällig für extreme Schwankungen, weil sie kurzfristigen Finanzmarktgeschäften die Attraktivität nimmt. Geschäfte, bei denen die spekulative Investoren morgens ein- und mittags schon wieder aussteigen, würden schlicht zu teuer. Der Kleinsparer, der für das Alter vorsorgt, könnte nachts wieder ruhiger schlafen. Und das bei überschaubaren Kosten: Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro wäre er mit 5 Euro Steuern dabei.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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