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CHINAGastkommentar
Sven Hansen
Zu wenig Einfluss

China hat in Nordkorea zweifellos eine Schlüsselrolle. Denn ohne die Unterstützung aus Peking wäre das Regime von Kim Jong-il längst zusammengebrochen. Daran kann Chinas Regierung kein Interesse haben: Zum einen, weil dies einen Flüchtlingsstrom befürchten lässt, der in Chinas Nordosten zu systemgefährdendem Chaos führen könnte. Und zum anderen, weil ein wiedervereinigtes Korea nach dem Modell des Südens bedeuten könnte, dass US-Militärs bis an Chinas Grenze vorrücken. Peking ist deshalb an einem stabilen Status quo auf der koreanischen Halbinsel und damit an der Fortexistenz von Nordkorea als Pufferstaat interessiert.

Die Chinesen wissen, dass Nordkoreas Regime sich reformieren muss, um längerfristig überleben zu können. Chinas KP-Führer preisen Pjöngjang das eigene Modell kapitalistischer Wirtschaftsreformen bei Beibehaltung des autoritären Einparteiensystems an. Auch will Peking nicht, dass Nordkorea mit seinem Atomprogramm eine atomare Gegenrüstung etwa in Japan auslöst. Doch in der Wirtschaft wie beim Atomprogramm folgt Nordkorea den Chinesen nicht. Kein Wunder: Denn in Wirklichkeit hat Peking kaum Einfluss auf Nordkorea. China verfügt zwar über eine große Keule. Doch verbietet sich deren Nutzung schon aus ureigenstem Interesse. Andere Instrumente hat Peking kaum. Im Unterschied zu manchen Politikern im Westen, die von China ein Machtwort oder gar Sanktionen erwarten, ist sich Nordkoreas Führung längst Pekings geringer Möglichkeiten bewusst.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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