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Parlamentarisches Profil
Jörg Müller-Brandes
Der Unabhängige: Paul K. Friedhoff

Wenn's mir nicht passt, kann ich ja gehen", dachte sich Paul Friedhoff. Und er konnte. Im Oktober 2002 saß er auf der Terrasse seines Hauses in Marbella und blickte aufs Meer. Der heutige wirtschaftspolitische Sprecher der Liberalen hatte dem Bundestag im kühlen Berlin den Rücken gekehrt. Auch seiner Partei. Guido-Mobil, Besuche im "Big Brother"-Haus und die "Strategie 18" des schrillen FDP-Bundestagswahlkampfes hatten dem seit 1990 im Bundestag sitzenden FDP-Urgestein den letzten Appetit auf Politik vermiest.

Der Politikschwenk seiner Partei passte nicht zu einem, der sich vom Realschulabschluss zum Diplomingenieur durchgebissen und in den Jahren anschließend zum erfolgreichen Gründer mehrerer Unternehmen gemausert hatte. Dafür nahm er die Inhalte der Politik zu ernst. Während sich in jenem Schicksalsjahr die Wolken über Möllemann und seinen Liberalen zusammenzogen und die Enthüllungen über die schwarzen Wahlkampfkassen kurz bevor standen, hatte Friedhoff längst zusammengepackt.

"Ich habe mir immer die Freiheit bewahrt, etwas ganz anderes zu machen", sagt er. Für die Freiheit, die er so sehr liebt, hatte er hart gekämpft. Als Friedhoffs politische Karriere zehn Jahre nach seinem Parteieintritt 1982 mit der Übernahme des Vorsitzes des Ortsverbandes Kleve begann, war der 1943 geborene Niedersachse bereits Unternehmensgründer. Seine Firma "Spectro" hatte er als geschäftsführender Gesellschafter zu einem mittelständischen Unternehmen ausgebaut. Seitdem sieht der gelernte Physiklaborant auch Herausforderungen in der Politik durch die Brille des Unternehmers und Krisenmanagers. "Ich bin froh, dass ich erst später in die Politik gekommen bin", sagt er und findet: "Vielen Abgeordneten täte eine umfassendere Berufserfahrung vorher ebenfalls gut."

Ob er damit auch Jürgen W. Möllemann meint, dessen Weg er immer wieder kreuzte, verrät Friedhoff nicht. 1993 war Friedhoffs Name sogar als Nachfolger für den gestolperten Bundeswirtschaftsminister ins Spiel gebracht worden. "Im Nachhinein betrachtet, wäre das nichts für mich gewesen", sagt er. "Ich wäre nicht bereit gewesen, mein komplettes Leben unter dieses Amt zu stellen. Ich hätte auf meine persönliche Zeit kaum noch Einfluss gehabt, dafür bin ich zu sehr ein freier Mensch und auch freier Demokrat."

Friedhoff begreift sich als Liberaler im wörtlichen Sinn. Die Freiheit wehte ihm auch 2002 nach seinem Rückzug aus der Politik in Marbella auf seiner Terrasse salzig um die Nase, und seine Parteifreunde hatten ihre liebe Mühe, ihren geschätzten Parteifreund von einem Comeback zu überzeugen, um gemeinsam nach dem Möllemann-Desaster einen Neuanfang in Düsseldorf zu wagen.

Nach einer Millionenstrafe, die noch aus der Möllemann-Affäre rührt, sind die Altlasten inzwischen abgebaut. Mit Spaßpartei hat die heutige junge Garde der Liberalen, die verstärkt an die Parteispitze drängt, indes nicht mehr viel zu tun.

Die Nachwuchsförderung bleibt für den Entrepreneur betriebswirtschaftliche Tugend und Herausforderung zugleich. Mit seinem Blick für qualifizierten Nachwuchs verfolgt Friedhoff die Förderung junger Talente mit nahezu sportlichem Ehrgeiz. FDP-Generalsekretär Christian Lindner nennt er "einen kompletten Spieler". Auch Lindner war bereits Gast auf Friedhoffs Terasse in Marbella. "Ich habe früh erkannt, dass er ein großes Talent ist", sagt Friedhoff nicht ohne Stolz. Auch Philip Rösler kennt er schon aus dessen Zeit bei den Jungen Liberalen. Mit Johannes Vogel, dem Vorsitzenden der Julis, ist er per Du. Von Generationskonflikt offenbar keine Spur - nicht selten fragen ihn die Jüngeren um Rat. Beinahe väterlich wirkt auch seine Bereitschaft, Jüngeren einen vorderen Listenplatz bei Wahlen zu überlassen. Das hat ihm Anerkennung und Dankbarkeit der Jungen beschert. Das freut ihn zwar, aber er ist nicht darauf angewiesen. Für die nächste einschneidende Lebensveränderung wartet schon die Terasse in Marbella. Frei nach der Devise: Wenn's mir nicht passt, kann ich ja gehen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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