Inhalt

Michaela Hoffmann
Pad-Premiere im Parlament

NEUE MEDIEN

Im digitalen Zeitalter müssen auch parlamentarische Sitten bisweilen überdacht werden. Im Plenarsaal ereignete sich nämlich am vorvergangenen Donnerstag eine kleine Revolution: Der FDP-Abgeordente Jimmy Schulz las seine Rede vom iPad ab. Mit dem Finger scrollte der 41-jährige Internetspezialist sein Manuskrip nach unten - Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), der die Plenarsitzung leitete, ließ ihn gewähren. Schulz, der den Tischcomputer erst seit wenigen Tagen besaß, verhaspelte sich zwar auch mal, klemmte sich am Ende jedoch den flachen Tablet-Computer lässig unter den Arm und ging zurück zu seinem Stuhl. Der FDP-Politiker ist Obmann seiner Fraktion in der Internet-Enquete-Kommission sowie im Unterausschuss Neue Medien. "Ich möchte einfach mal ausprobieren, was damit geht", sagt Schulz, der mit seiner Firma Internet-Software entwickelt. Unterwegs lasse sich mit dem iPad wunderbar arbeiten, etwa Mails oder Bundestagsdrucksachen lesen. "Die Auflösung ist hervorragend und alles ist gut erkennbar", schwärmt er. Tatsächlich sind laut Geschäftsordung des Bundestages Laptops im Plenarsaal verboten. "Der Geschäftsordnungsausschuss wird sich jetzt umfassend mit der Angelegenheit befassen", sagte ein Sprecher des Bundestages. Schulz würde sich über grünes Licht freuen. "Wenn Zeitungen erlaubt sind, warum soll dann digitales Papier verboten sein?".

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag