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Kata Kottra
»Weder effizient noch transparent«

BUNDESTAG Experten diskutieren über bessere Anerkennung ausländischer Abschlüsse

Vor zehn Jahren beschlossen die Dänen, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse in ihrem Land zentral zu regeln. Sie gründeten die "Dänische Agentur für internationale Erziehung", die seitdem ganz unterschiedliche Menschen berät: russische Ärzte, die in Dänemark arbeiten wollen; dänische Studierende, die einige Semester im Ausland verbracht haben; Menschen, die sich schon vor ihrer Einwanderung in das skandinavische Land über ihre Berufschancen informieren. Über die Erfahrungen seiner Agentur berichtete Allan Bruun Pedersen am vergangenen Montag in der öffentlichen Anhörung des Bildungsausschusses des Bundestages. Er war eingeladen worden, weil auch die Bundesregierung im Herbst ein "Anerkennungsgesetz" vorlegen will.

16 Anerkennungssysteme

Eine solche zentrale "Anerkennungsbehörde" wünschte sich auch ein Teil der geladenen Experten aus Deutschland. Bettina Englmann beispielsweise, die bei den Augsburger Integrationsprojekten "Tür an Tür" arbeitet und an der 2007 erschienenen "Brain Waste"-Studie über die Vergeudung ausländischer Talente in Deutschland beteiligt war, nannte die bestehenden Anerkennungsverfahren in Deutschland "weder effizient noch transparent noch konsistent". Je nach Bundesland gebe es 16 Anerkennungssysteme, die sich außerdem noch nach Herkunft, Status und Beruf der Migranten unterscheiden würden.

Momentan sind die Kompetenzen bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse über viele Institutionen verteilt: Bei staatlich reglementierten Berufen wie Ärzten, Lehrern und Rechtsanwälten bescheinigen eine Vielzahl von Behörden in den Ländern, ob eine ausländische Fachkraft praktizieren darf. Bei Architekten, Bäckern oder Schornsteinfegern sind es die Berufskammern, die über eine Zulassung entscheiden.

Die Vertreter des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) lehnten in der Bundestags-Anhörung eine zentrale Behörde für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse ab. Die Expertise für Abschlüsse aus bestimmten Ländern solle aber bei bestimmten Kammern zusammengeführt werden, erklärte DIHK-Vertreterin Sybille von Obernitz. Nicht jede Kammer müsse Kenntnisse "über das Bildungssystem der Elfenbeinküste" haben. Uneinig waren sich die Experten auch, wie lange die Prüfung eines ausländischen Abschlusses dauern dürfe. Während die Bundesregierung eine gesetzliche Maximalfrist von einem halben Jahr plant, forderte Sybille von Obernitz längere Fristen. Es sei nicht abzusehen, wie viele ausländische Fachkräfte ihren Abschluss prüfen lassen würden, wenn die Regierung - wie für den Herbst geplant - einen Anspruch auf ein solches Verfahren einführt. In Dänemark dauere die durchschnittliche Prüfung eines ausländischen Abschlusses hingegegen nur 27 Tage, berichtete Allan Bruun Pedersen.

Mehrere Experten kritisierten, dass sich nach den Plänen der Bundesregierung die verbesserte Anerkennung ausländischer Abschlüsse an ihrer Verwertbarkeit am Arbeitsmarkt orientieren soll. Welche Berufe in einigen Jahren gefragt sein würden, sei kaum vorauszusehen, sagte Dagmar Maur von der Otto Benecke Stiftung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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