Inhalt

Karl-Otto Sattler
Mit Kernkraft zu viel Strom?

ATOMKRAFT

Als Spiegelbild des Frontverlaufs beim Streit um längere Atomkraftwerkslaufzeiten präsentierte sich eine Anhörung des Umweltausschusses am vergangenen Mittwoch, deren Grundlage ein auf einen schnelleren Atomausstieg zielender Antrag der Grünen (17/1766) war. Bleiben die Nuklearmeiler länger am Netz, so reduziert dies den Kohlendioxidausstoß und hält die Strompreise beim angestrebten Ausbau erneuerbarer Energien im Rahmen: Derart argumentierten etwa Rolf Martin Schmitz vom RWE-Vorstand und der Stuttgarter Professor Alfred Voß. Ohne die geplante Abschaltung der Kernkraftwerke werden regenerative Elektrizitätsquellen im Wettbewerb ausgebremst, weil die Vorherrschaft konventioneller Energieträger weiter bestehen bleibe: So sagten es Kritiker wie der Hannoveraner OB Stephan Weil. Laut dem Präsidenten des Verbands Kommunaler Unternehmen wollen die Stadtwerke 12,5 Milliarden Euro in den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung stecken. Doch diese Investitionen drohten sich nicht mehr zu rechnen, da den Unternehmen die Abnehmer fehlen könnten, wenn Atomstrom im heutigen Umfang im Netz bleibe.

Nach Angaben von Voß könnten die Verbraucher je nach Ausgestaltung einer Laufzeitverlängerung um 50 bis 140 Milliarden Euro entlastet werden. Professor Uwe Leprich (Saarbrücken) warf den Konzernen vor, wenig Interesse an regenerativen Energien zu haben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag