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AUFGEKEHRT
Kata Kottra
Obama allein zu Haus

Eine "neue Ära der Transparenz" hatte US-Präsident Barack Obama ausgerufen, als er vor anderthalb Jahren ins Weiße Haus einzog: Durch Amtsstuben und Behörden sollte ein frischer Wind wehen, der auch mal eine brisante Akte aufwirbeln durfte. Offenheit statt Geheimniskrämerei hieß die neue Devise. Das sollte auch für die Kriege in Afghanistan und im Irak gelten. Dabei besagt doch schon ein altes Sprichwort, dass nirgendwo so viel gelogen wird wie vor der Hochzeit, während des Krieges und nach der Jagd.

Anderthalb Jahre später begrüßte der amerikanische Präsident es deshalb überschwänglich, als Internet-Aktivisten Zehntausende brisanter Dokumente über den Afghanistan-Krieg auf der Seite "Wikileaks" veröffentlichten. "Ich möchte diesen mutigen Freiwilligen danken, die meine Devise von mehr Offenheit und Transparenz so vorbildlich umgesetzt haben", sagte Obama. Für den amerikanischen Präsidenten ging damit eine erfolgreiche Woche zu Ende: Nachdem er dem letzten Insassen des Gefangenenlagers auf Guantanamo zugewunken hatte, unterschrieb er das Verbot von Tiefseebohrungen nach Öl, bevor ihn seine Familie zu seinem 49. Geburtstag mit einer Pyjama-Party im Weißen Haus überraschte.

Aber nein, halt, ganz falsch! Obamas Minister drohen, "mit aller Härte" gegen Wikileaks-Informanten in amerikanischen Behörden vorzugehen. Auf Guantanamo warten immer noch Häftlinge in orangefarbenen Overalls auf ihre Ausreise - sogar die Rheinland-Pfälzer musste der mächtigste Mann der Welt anbetteln, wenigstens einen ehemaligen Gefangenen aufzunehmen. Beim Thema Tiefseebohrungen kämpft Obama mit der mächtigen Ölindustrie. Und sogar seinen Geburtstag musste der amerikanische Präsident allein verbringen: Michelle Obama und Töchter zogen einen Luxus-Urlaub in Spanien beziehungsweise ein Ferienlager der Party mit Daddy vor.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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