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ORTSTERMIN BEI DER: AUSSTELLUNG KUNST UND ARCHITEKTUR
Stefan Kesselhut
»Nicht nur Dekoration«

Während draußen vor den Fenstern Touristen die architektonische Gegenwart besichtigen und auf den Ausflugsschiffen das Parlamentsviertel vom Wasser aus beobachten, geht es im Kunst-Raum des Bundestages zurzeit um die zukünftige Architektur. Und vor allem geht es um Kunst, die einmal ein neues Parlamentsgebäude schmücken soll.

An der Berliner Straßenkreuzung zwischen Dorotheen- und Wilhelmstraße, nicht weit vom Reichstagsgebäude, baut der Bundestag zurzeit mehrere Gebäude um: 2011 sollen Abgeordnete hier neue Büros und Konferenzräume beziehen können. Schon während der Bauarbeiten spielt Kunst eine wichtige Rolle. Immer, wenn der Bund ein öffentliches Gebäude baut, müssen zwei Prozent der Baukosten in Kunstwerke am und im Gebäude investiert werden. Das schreibt die "Kunst-am-Bau-Richtlinie" vor.

Zur Ausstellungseröffnung hob die CDU-Abgeordnete und Vorsitzende des Kulturausschusses, Monika Grütters, hervor, wie sie die Kunstförderung des Bundestages versteht: "Wir wollen die Freiheit der Kunst schützen und fördern, nicht von oben herab Vorgaben machen und damit die Künstler einschränken. Vor allem wollen wir nicht, dass die Kunst in den Gebäuden des Bundestags nur als gefällige Dekoration dient. Im Gegenteil, wir wollen, dass diese Kunstwerke im Idealfall Sinn und Identität stiften und Abgeordnete, Mitarbeiter und Besucher zum Nachdenken anregen können", sagte Grütters.

Der Kunstbeirat des Bundestags hat drei Orte im neuen Gebäude festgelegt, die künstlerisch gestaltet werden sollen: Einen Tunnel, der zum Jakob-Kaiser-Haus führt, einen großen Innenhof und das Eingangsfoyer an der Straßenkreuzung. Anders als Tunnel und Innenhof wird das Foyer zum Teil öffentlich zugänglich sein, weil der Sicherheitsbereich erst einige Meter hinter dem Eingang beginnen wird.

Für diese drei Orte hatte das Bundesamt für Raumwesen und Raumordnung einen Wettbewerb ausgeschrieben, für den Künstler und Landschaftsarchitekten Vorschläge einreichen konnten. Ende Juni entschied eine Jury darüber, wer den Wettbewerb gewonnen hat und wessen Entwürfe im neuen Gebäude umgesetzt werden können - falls auch der Kunstbeirat des Deutschen Bundestages seine Zustimmung erteilt.

Im Kunst-Raum des Bundestages sind jetzt die Gewinner-Beiträge des Wettbewerbs und die Werke weiterer Teilnehmer ausgestellt. Der Schweizer Künstler Peter Wüthrich wird wohl für das Foyer zwei quadratische Skulpturen aus jeweils 300 antiquarischen Büchern anfertigen, die dort an den Wänden befestigt werden sollen. Mit der Zahl von 600 Büchern bezieht sich Wüthrich auf die ungefähre Zahl der Abgeordneten im Bundestag (die momentan exakt 622 beträgt). Eine viel kleinere Version dieser Skulptur ist im oberen Stockwerk des Kunst-Raums zu sehen (siehe Bild). Violette, organgene, rote Bücher liegen dort dicht zusammengeschoben auf dem Boden.

Für den Tunnel zum Jakob-Kaiser-Haus wählte die Jury den Vorschlag der Berliner Künstlerin Gunda Förster aus, die den fensterlosen Gang auf voller Länge mit einer Installation aus LED-Lichtlinien ausstatten will. Der gelblich-orangene Ton soll an Sonnenlicht erinnern und der Gang durch die unterirdische Verbindung damit zu einer positiveren Erfahrung werden. Den Innenhof gestalten der Schweizer Landschaftsarchitekt Guido Hager und der Künstler Beat Zoderer. Sie wollen eine Blumenwiese anlegen, über die viele Wege verlaufen, die sich zu einer Art Netzwerk zusammenfügen sollen.

Im mittleren Teil des Innenhofs wird ein runder Pavillon entstehen, getragen von filigranen, schräg stehenden bunten Säulen. Die Ausstellung im Kunst-Raum des Bundestages läuft noch bis zum 12. September 2010 und hat von Dienstag bis Sonntag jeweils von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, der Zugang zum Kunst-Raum erfolgt über die Spreepromenade am Schiffbauerdamm in Berlin-Mitte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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