Inhalt


Kurz notiert

Wir haben in den Bundestagsfraktionen nachgefragt: Warum hat Deutschland ein Interesse daran, die Ausbreitung der Wüsten zu bekämpfen und ihr Potenzial zu nutzen? Hier die Antworten der Abgeordneten.

Jürgen Klimke, CDU/CSU

Wüsten zerstören Lebensräume. Mehr als 40 Prozent der Landflächen sind schon Trockengebiete, zwei Milliarden Menschen leben dort. 20 Prozent der Trockengebiete sind bereits nicht mehr nutzbar. Es ist die Aufgabe der deutsche Entwicklungspolitik, sich verstärkt darum zu kümmern. Wir müssen Konzepte für eine nachhaltige Nutzung von Boden, Bäumen und Wasser erarbeiten. Erosion muss verhindert werden. Ziel muss sein, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit der lokalen Bevölkerung neue ökologische und ökonomische Chancen ermöglicht.

Dirk Becker, SPD

Die Wüste verfügt über ein gewaltiges Energiepotenzial: Weniger als drei Prozent der Sahara reichen aus, um die gesamte Welt mit Solarstrom zu versorgen. Wollen wir eine globale Energiewende hin zu 100 Prozent erneuerbare Energien, müssen wir dieses Potenzial nutzen. Das schützt das Klima und wirkt der Wüstenausbreitung und ihren Folgen - Flucht, regionale Instabilität - entgegen. Solarthermische Anlagen gekoppelt mit Meerwasserentsalzung könnten nicht zuletzt die Wasserknappheit mildern sowie wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen.

Harald Leibrecht, FDP

Der Erhalt der Umwelt ist Grundvoraussetzung für jede Entwicklung. Darum muss Deutschland sich in der Entwicklungszusammenarbeit für die Bekämpfung der Wüstenbildung einsetzen. Deutschland leistet damit einen lebenswichtigen Beitrag für Millionen von Menschen. Ohne Wasser und fruchtbaren Boden gibt es keine Ernte und Ernährungssicherheit. Heute haben rund 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Darüber hinaus ist Wasser ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Es ist für Industrie und Gewerbe unverzichtbar.

Annette Groth, Die Linke

Ein Drittel der Erdoberfläche und mehr als 250 Millionen Menschen sind von Wüstenbildung bedroht. Allein aus den Dürregebieten in der Sub-Sahara werden in den nächsten Jahren mehr als 60 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen, da sie dort nicht überleben können. Wir müssen die Konsumgewohnheiten in den reichen Staaten verändern, regionale Handelskreisläufe und Landwirtschaft in den betroffenen Regionen fördern und insbeondere ein Verbot von Soja-Exporten für die Futtermittelindustrie der Industriestaaten aus wüstengefährdeten Regionen durchsetzen.

Hans-Joachim Fell, Grüne

Wiederbegrünung von Wüsten ist fundamental für Klimaschutz und Armutsbekämpfung. So werden neue Einkommen geschaffen. Außerdem speichern Pflanzenaufwuchs und Humus im Boden CO2. Wüsten bieten auch hohe Potenziale an erneuerbaren Energien: Fotovoltaik, solarthermische Kraftwerke, Windparks und für Meerwasserentsalzung. Wie im desertec-Projekt angestrebt, können in Nordafrika Städte versorgt und in Europa Kohle- und Kernkraftwerke ersetzt werden. Deutschland profitiert von neuen Exportschlagern und durch eine wirksame Bekämpfung der Erderwärmung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag