Inhalt

Felix Ehring
Unendliche Reserven - endlose Probleme

ENERGIE Investoren entdecken die Wüste als globalen Ökostrom-Lieferanten

Wenn es an etwas nicht fehlt in der Wüste, dann ist es Sonne. Bis zu 4.300 Sonnenstunden im Jahr gibt es allein in der Sahara, mehr als doppelt so viele wie in Freiburg, der sonnigsten Stadt Deutschlands. Warum also die Wüstensonne nicht als Energielieferant nutzen? Das dachten Energieexperten schon in den 1980er Jahren und bauten erste Solarkraftwerke in die Wüste. Vorreiter vieler Großprojekte waren die USA. Dort wird bis heute ein Solarkraftwerk nach dem anderen gebaut. Gesetze in einigen Bundestaaten fördern diese Entwicklung: Nevada etwa verlangt von den Energiekonzernen, 15 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. In Kalifornien sind sogar 20 Prozent vorgeschrieben.

Das Solarfeld SEGS in der kalifornischen Mojave-Wüste gilt als das derzeit größte Sonnenkraftwerk der Welt. Es hat eine Kapazität von 354 Megawatt. Die Fläche, auf der die Spiegel aufgestellt sind, entspricht 650 Fußballfeldern. Mit dem produzierten Strom werden laut Betreiberfirma 232.000 Haushalte versorgt.

US-amerikanische Umweltschützer halten den Solar-Boom allerdings nicht nur für einen Grund zum Jubeln. Sie sehen Pflanzen, Tiere und historische Stätten in der Mojave-Wüste in Gefahr. "Solaranlagen verändern die Landschaft erheblich", warnt Dianne Feinstein, Senatorin in Kalifornien. Per Gesetz will sie verhindern, dass die Solaranlagen der Natur der Mojave-Wüste schaden.

Derweil entstehen rund um den Globus weitere Projekte. Südafrika will bis 2013 zwei Millionen Haushalte mit Strom aus erneuerbarer Energie versorgen. Die Finanzierung eines 100-Megawatt-Solarkraftwerks am Rande der Kalahari-Wüste steht. In den nördlichen Ausläufern der Sahara, in Algerien, Marokko und Ägypten, werden bereits Hybridkraftwerke gebaut, die mit Sonnenenergie und Erdgas Strom erzeugen. Indien will in der nordwestlichen Tharwüste den Großteil seiner Sonnenenergie gewinnen, bis 2017 sollen es 1.000 Megawatt sein. Das entspricht der Leistung eines modernen Kohlekraftwerks im Ruhrgebiet.

Europa treibt indes sein heiß diskutiertes Desertec-Projekt voran, zu dem sich im Jahr 2009 ein Konsortium aus zwölf Unternehmen zusammengeschlossen hat. Das Ziel: Ab 2020 soll Wind- und Solarenergie aus Nordafrika nach Europa fließen und dort 15 Prozent des Energiebedarfs decken. Die Kosten des Megaprojekts werden auf rund 400 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050 geschätzt.

Während die einen Desertec als Zukunftsvision bejubeln, befürchten Kritiker technische Probleme und eine zu starke Abhängigkeit von politisch problematischen Staaten. So wird für die Herstellung des Sonnenstroms viel Wasser benötigt, zudem könnten Sandstürme den empfindlichen Anlagen zusetzen. Bis der Ökostrom aus der Sahara fließt, sind also noch wichtige Fragen zu klären.

Der Autor ist Volontär bei der Zeitschrift "welt-sichten".

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag