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Sabine Muscat
Las Vegas auf wüstem Kurs

WÜSTENSTADT 2 Das Spielerparadies ringt um seine ökologische Zukunft

Las Vegas, "die Wiesen", nannten die spanischen Eroberer im 19. Jahrhundert den Ort, an dem sie sich auf ihren Reisen durch die Wüsten des amerikanischen Westens mit Wasser versorgten. Die Oase am Rande der Mojave-Wüste war damals mit sprudelnden Quellen gesegnet.

Seinen ersten Boom erlebte Las Vegas in den 1930er Jahren. Drei Autostunden östlich wurde der Hoover-Damm errichtet, einer der gewaltigsten Bauten der US-amerikanischen Ingenieurgeschichte. Die Bevölkerung schwoll schnell an, die Arbeiter brachten Bordelle und Glücksspiele in die Stadt. Der Damm, der das Wasser des Colorado stauen sollte, legte nicht nur die Basis für das ökonomische Erfolgsmodell von Las Vegas, er sollte auch die Wassersorgen der trockenen Region für alle Zeiten lösen.

Wasserspiegel fällt

Doch seither ist der Wasserspiegel am Stausee Lake Mead um 37 Meter gefallen. Das Wasser, das sich die sieben Anrainerstaaten des Colorado teilen müssen, geht zur Neige. Das Grundwasser in Las Vegas hielt der Belastung durch die wachsende Bevölkerung, die gigantischen Casino-Hotels und die Golfplätze, die in den 1950er Jahren gebaut wurden, nicht Stand. 1962 versiegten die einst so üppigen Quellen für immer. Nun rächte sich, dass der Staat Nevada, in dem Las Vegas liegt, bei der Verteilung des Wassers schlecht verhandelt hatte: Von den 9,3 Milliarden Kubikmetern Wasser, die den drei Staaten am Unterlauf des Flusses zugesprochen wurden, bekam Kalifornien 5,4 Milliarden. Nevada musste sich mit 370 Millionen zufrieden geben.

In den 1990er Jahren nahm die mächtige Southern Nevada Water Authority den Kampf ums Wasser auf. Sie zwang Kalifornien, einen Teil seiner Überschüsse abzugeben und kooperierte mit Kalifornien und Arizona beim Bau eines Reservoirs, damit Mexiko künftig nicht mehr Wasser abzapft, als ihm zusteht. Doch all das wird nicht reichen, um den Durst des Großraums Las Vegas zu löschen. Er hat längst die Zwei-Millionen-Grenze überschritten. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts brachte eine anhaltende Dürre - die Wasserbehörde zahlte jedem Bürger Geld, der freiwillig seinen Rasen vor dem Haus vernichtete.

Las Vegas sieht seine Rettung darin, das Grundwasser im Great Basin im Norden von Nevada über eine Pipeline anzuzapfen. Umweltschützer und Rancher leisten seit Jahren Widerstand dagegen, denn sie fürchten, dass es aus dem empfindlichen Ökosystem eine Staubschüssel machen wird. 2007 wurde Las Vegas erlaubt, Wasser aus einem Teil des Great Basins zu beziehen. Doch im Juni dieses Jahres entschied das Oberste Gericht von Nevada, dass die Einspruchsfrist für die Vergabe der Rechte aufgrund formaler Fehler neu gesetzt werden muss. Der Kampf um das Wasser geht also in die nächste Runde.

Die Autorin arbeitet als Korrespondentin für die Financial Times Deutschland.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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