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Götz Hausding
Mehr als 100 Gutachten im Auftrag der Abgeordneten

Forschung Das Büro für Technikfolgeabschätzung beim Deutschen Bundestag feiert sein 20-jähriges Bestehen

Stellen Sie sich doch einmal vor, in deutschen Großstädten würde der Strom ausfallen. Nicht nur in einer Straße und nicht nur für ein paar Stunden, sondern lang andauernd und großflächig. Furchtbar, aber auch ziemlich unwahrscheinlich. Mit solchen Szenarien und den daraus entstehenden Folgen beschäftigt sich das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag, kurz TAB genannt - eine selbstständige wissenschaftliche Einrichtung, die den Bundestag und seine Ausschüsse in Fragen des wissenschaftlich-technischen Wandels berät und vom Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung beauftragt wird. Ziel ist es, einen Beitrag zur Verbesserung der Informationslage der Abgeordneten und eine wissenschaftliche Fundierung ihrer Meinungsbildung und Entscheidungsfindung zu leisten.

Für den Stromausfall erfordert dies von dem achtköpfigen Wissenschaftler-Team um die beiden Leiter Professor Armin Grunwald und Thomas Petermann, zu untersuchen, wie sich ein lang andauernder und großflächiger Stromausfall auf besonders kritische Infrastrukturen, wie etwa Trink- und Abwasser, Informations- und Kommunikationssysteme oder auch Finanz- und Gesundheitsdienstleistungen auswirken könnte. Derzeit laufen die Untersuchungen noch. Mit dem abschließenden Bericht ist in diesem Jahr zu rechnen.

Seit genau 20 Jahren gibt es das TAB schon - mehr als 100 Untersuchungen hat das Büro seit seiner Gründung am 29. August 1990 vorgenommen und deren Ergebnisse veröffentlicht.

Die Idee einer kontinuierlichen Technikfolgenabschätzung zur Unterstützung des Parlaments geht in die 1970er Jahre zurück. Der frühere Technikoptimismus war zu dieser Zeit einer weit verbreiteten Technikskepsis gewichen. Angesichts zahlreicher problematischer Folgen für Gesellschaft und Umwelt wuchs zunehmend die Einsicht in die Notwendigkeit einer frühzeitigen Abschätzung und Bewertung der Entwicklung und des Einsatzes von Technik.

Die Institutionalisierungsdebatte im Bundestag begann 1973 mit einem Antrag der Unionsfraktion - damals der Opposition angehörend. Sie sprach sich dafür aus, ein "Amt zur Bewertung technologischer Entwicklungen beim Deutschen Bundestag" einzurichten. Ein wichtiger Meilenstein war die Enquete-Kommission "Einschätzung und Bewertung von Technikfolgen; Gestaltung von Rahmenbedingungen der technischen Entwicklung", die in der 10. Legislaturperiode eingesetzt wurde. Nachdem diese Kommission 1986 einen Vorschlag zur "Institutionalisierung einer Beratungskapazität für Technikfolgen-Abschätzung und -Bewertung beim Deutschen Bundestag" vorgelegt hatte, machte sie Ende der Legislaturperiode Vorschläge zur Organisation von Technikfolgenabschätzung beim Bundestag. Im November 1989 beschloss der Bundestag eine wissenschaftliche Einrichtung zu beauftragen. Am 29. August 1990 schließlich wurde nach einer Ausschreibung ein Vertrag mit dem Kernforschungszentrum Karlsruhe für eine dreijährige Erprobungsphase geschlossen und das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag gegründet. Es wird seither vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) betrieben, einem Zusammenschluss des Forschungszentrums Karlsruhe und Universität Karlsruhe.

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des TAB findet am 29. September ab 15 Uhr eine Festveranstaltung im Foyer des Paul-Löbe-Hauses statt. Die Vorsitzende des Forschungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), wird dann mit TAB-Leiter Armin Grunwald über "Technikfolgenabschätzung als institutionalisierten Lern- und Kommunikationsprozess" sprechen. Anschließend diskutieren die Abgeordneten Thomas Feist (CDU/CSU), Martin Neumann (FDP), René Röspel (SPD), Petra Sitte (Die Linke) und Hans-Josef Fell (Grüne) mit Experten über den Nutzen und die Nutzung wissenschaftlicher Politikberatung. In der gleichen Woche wird es auch eine Plenardebatte zum Thema "Bilanz und Perspektiven der Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag" geben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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