Inhalt

LESERPOST

Kurz notiert

Zur Ausgabe 36/37 vom 6.09.2010 "Nicht nur Aufgabe einer Generation" (Interview mit Rudolf Seiters), S.5 Es hat mich erschreckt, mit welcher unverrückbaren Gleichmäßigkeit negativ über die Wiedervereinigung gesprochen wird. Rudolf Seiters sieht die Einheit als Aufgabe mehrerer Generationen! Ich dachte eigentlich, wir hätten die Einheit bereits verwirklicht?

Dass es damit tatsächlich nicht allzu weit her ist, kann man etwa daran erkennen, dass die Bahnverbindungen und neuen Bauwerke nach wie vor vorwiegend in Nord-Süd-Richtung geschehen. Seit der Wiedervereinigung kamen nur die Verbindungen von Berlin nach Frankfurt, nach München und in westlicher Richtung dazu. Was jedoch völlig fehlt, sind Bahnverbindungen von Osten nach Westen. Die Strecke Weimar-Gera-Chemnitz war früher, zu DDR-Zeiten, nur eingleisig befahrbar, Folge des Raubbaus der Sowjetunion. Natürlich war sie damals auch nicht elektrifiziert.

Aber wie ist es heute? Hat sich da etwas getan? Soweit ich höre: quasi nichts, oder zumindest nicht in ausreichendem Maße. Ganz abgesehen von den neuen Fahrplänen der Deutschen Bahn: Die führen vorwiegend Verbindungen in Nord-Süd-Richtung auf.

Wer von Duisburg oder Essen nach Dresden will, muss lange nach einer geeigneten Verbindung suchen. Wohl auch deshalb, weil man die direkte Verbindung über Thüringen nicht ausgebaut hat.

Dieser Ausbau endete in Weimar, er wurde zwar bis Leipzig weitergebaut, aber das ist alles Stückwerk! Deswegen fahren auch alle ICE-Züge nach Dresden über Leipzig. Viele Projekte der deutschen Einheit sind zwar fertiggestellt worden, hören aber in der Regel kurz hinter Weimar auf. Roland Mai, Vellmar

"Die Gestaltung der Einheit", S. 12 In Ihrem Artikel heißt es: "Enteignungen, die zwischen dem Kriegsende vom 8. Mai 1945 und der DDR-Gründung am 7. Oktober 1949 vorgenommen wurden, blieben allerdings wegen ihrer besatzungsrechtlichen Grundlage unangetastet." Diese Darstellung vernachlässigt die Ungeheuerlichkeit, dass die Rückgabe dieser Ländereien angeblich wegen gewisser Bedingungen ausgeschlossen sei, die die Sowjetunion Deutschland im Zuge der Wiedervereinigung auferlegt hat.

So wurde es den ehemaligen Besitzern von der Bundesregierung - unrichtigerweise - erklärt. Die enteigneten Ländereien blieben also durch Willkür "Volksvermögen", so wurde SED-Unrecht zu BRD-Unrecht! Wolfgang Hüttner, Baden-Baden

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag