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ORTSTERMIN: FOTO-AUSSTELLUNG ZUR DEUTSCHEN EINHEIT
Kristin Lenz
»Ein Wunder war es nicht«

7. Oktober 1989: Die DDR feiert den 40. Jahrestag ihrer Gründung. Zeitgleich drücken die Bürger ihren Willen zu Veränderungen in Demonstrationen und Kundgebungen aus. Viele DDR-Bürger waren bereits über Ungarn und die Deutsche Botschaft in Prag ausgereist. 10. November 1989: SPD-Parteichef Willy Brandt steht in Berlin in einer Menschenmenge. Die Grenze war in der Nacht zum 10. November 1989 geöffnet worden. 19. Dezember 1989: Kohl spricht vor zehntausenden Menschen an der Dresdner Frauenkirche (siehe Bild). Dezember 1989: Noch patrouilliert ein Grenzpolizist im Mauerstreifen. 22. Dezember 1989: Das Brandenburger Tor wird wieder geöffnet. Überall mit dabei: Die Fotografin Barbara Klemm. Auf ihren Bildern sieht man Menschen bei der Wiedereröffnung des Brandenburger Tors, bewegte Gesichter zur Einheit Deutschlands am 3. Oktober 1990, historische Momente, die zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung erneut erfahrbar werden - genau dort, wie die Mauer stand.

Anlässlich des 20. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung zeigt der Deutsche Bundestag noch bis zum 9. Januar 2011 achtzehn ausgewählte Schwarz-Weiß-Fotografien von Barbara Klemm im Raum des Mauer-Mahnmals im Marie-Elisabeth-Haus im Berliner Parlamentsviertel. Die Arbeiten der ehemaligen Redaktionsfotografin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit ihrem vielfältigen Blick auf und über die Berliner Mauer werden praktisch am Ort ihres Entstehens ausgestellt. Zu sehen sind Impressionen von Menschen und ihrem im Wandel befindlichen Umgang mit der Mauer. Entspannung ist zu spüren, wenn sich noch leicht verunsicherte Grenzsoldaten und heitere, schäkernde Menschen, die auf die Mauer geklettert sind, gegenüberstehen. Segmente eben jener Mauer markieren im gleichen Raum den ursprünglichen Mauerverlauf. Im Kontrast zu den vertrauten Bildern der historischen Fotografien wird die Verwandlung in ein Regierungsviertel dem Besucher der Ausstellung besonders deutlich.

Bei der Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel "Wie das Wunder geschah" am vergangenen Donnerstag hob Bundestagspräsident Norbert Lammert insbesondere hervor, dass historische Ereignisse nicht als "Wunder" im luftleeren Raum entstehen, sondern von Menschen gestaltet werden. Die Künstlerin dokumentiert mit Präzision und Leichtigkeit sowohl protokollarische Momente wie auch die vielfältige Emotionalität in scheinbar zufällig ausgewählten Situationen. "Mit ihren Fotografien ist sie eine der wichtigsten Botschafterinnen eines der bedeutendsten Ereignisse, die in der jüngeren Deutschen Geschichte stattgefunden haben und an das wir uns gerade in diesen Tagen besonders gerne erinnern", unterstrich Lammert. Barbara Klemm, zuletzt ausgezeichnet mit dem Max-Beckmann-Preis 2010, betonte die Bedeutung der hier abgebildeten Zeitspanne in ihrem Gesamtwerk und die besondere Dynamik, die sich aus dem Ort der Ausstellung ergibt. Es handle sich um Bilder, die Ereignisse erhalten, beschrieb Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages, die Wirkung der gezeigten Werke.

Die ausgestellten Bilder entstanden im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, für die Barbara Klemm von 1959 bis 2004 arbeitete, seit 1970 als Redaktionsfotografin mit den Schwerpunkten Politik und Feuilleton. Parallel dazu erschienen ihre Arbeiten in zahlreichen Büchern, Wochenzeitungen und Magazinen. Bedeutung haben ihre Fotografien längst über ihr Erscheinungsdatum hinaus. Den meisten Betrachtern bekannt und vertraut sind, nach den Worten Lammerts, die gezeigten Aufnahmen: Sie sind zu Ikonen der Zeitgeschichte geworden. Mit zahlreichen Arbeiten ist die 1939 in Münster geborene Künstlerin auch in der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages vertreten. Seit 1992 ist sie Mitglied der Akademie der Künste.

Die Ausstellung ist Freitag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Zusätzliche Informationen gibt es unter http://tinyurl.com/Mauer-Mahnmal

Aus Politik und Zeitgeschichte

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