Inhalt

Kurz rezensiert
Jörg von Bilavsky
Angelesen

Hunderte von Straßen und Schulen tragen seinen Namen. Doch kaum jemand erinnert sich noch an den preußischen Reformer Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein. Wohl die wenigsten wissen, dass er zu Beginn des 19. Jahrhunderts für die Selbstverwaltung der Städte und bürgerliches Engagement im Staat stritt. Wieso die Erinnerung an den im hessischen Nassau geborenen, in Westfalen zum Verwaltungsexperten aufgestiegenen und in Berlin zum Minister gekürten Politiker heute nur noch blass ist, kann auch der Mainzer Historiker Heinz Duchhardt nicht vollends klären. Der ausgewiesene Absolutismus- und Aufklärungsexperte macht aber deutlich, wie weit der Freiherr vom Stein mit seinen Vorstellungen von politischer Selbstbestimmung der damaligen Zeit voraus war. Duchhardt verschweigt jedoch nicht, dass ihm das diplomatische Geschick fehlte, seine Ideen in vollem Maße beim preußischen König und Adel durchzusetzen.

Ob der "Visionär" als Vorbild für heutige Politiker taugt, sei dahingestellt. Unbestritten aber ist, dass ohne sein Engagement die deutschen Kommunen von den Zentralregierungen weitaus länger am Gängelband gehalten worden wären.

Heinz Duchhardt:

Freiherr vom Stein. Preußens Reformer und seine Zeit.

Verlag C.H. Beck, München 2010; 128 S., 8,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag