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Michaela Hoffmann
Der Schreck lässt nach

VON MICHAELA HOFFMANN

Deutschland in Feierlaune: Kaum ein Land ist so gut aus der Krise gekommen wie wir. Um 3,5 Prozent wächst die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr, haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gerade verkündet. Das ist mehr, als jedes andere Land in Europa, ja sogar mehr als die anderen Industrienationen weltweit. Und die Arbeitslosigkeit, so die Prognose, wird im kommenden Jahr unter der magischen Drei-Millionen-Marke bleiben. Wir haben Glück gehabt. Das hätte niemand zu träumen gewagt, nach dem Schock im Herbst und Winter 2008, als Lehman Brothers zusammenbrach, der Krisenvirus aus den USA die deutsche Wirtschaft infizierte und die Schwarzmaler allerorten nicht nur Deutschland am Abgrund sahen.

Zwei Jahre danach blickt "Das Parlament" zurück - aber auch nach vorn. Über die Ursachen der Krise streitet noch heute die Fachwelt (siehe Seite 6). Dabei hat der Crash die etablierte Volkswirtschaftslehre selbst in tiefe Selbstzweifel gestürzt. So gut wie alle hatten den Charakter, das Timing und das Ausmaß der Finanzkrise unterschätzt (ebenfalls Seite 6).

Mit aller Macht haben sich die Staaten, die EU-Kommission und die Zentralbanken gegen die Krise gestemmt, die sich im Verlauf wandelte: Aus der Immobilienkrise in den USA wurde die weltweite Bankenkrise, die auf die Realwirtschaft übergriff. Milliardenschwere Konjunkturprogramm haben jetzt die Retter selbst und den Euro in Turbulenzen gebracht. Ob die Verantwortlichen optimal reagiert haben, ja auch die richtigen Lehren für die Zukunft gezogen haben, ist naturgemäß umstritten. Ist das globale Finanzsystem jetzt sicherer? An vielen Stellen dieser Ausgabe finden Sie Fakten, pointierte Meinungen und Einordnungen dazu: Etwa vom Vorsitzenden des Bundestags-Finanzausschusses, Volker Wissing (Seite 2), dem Kölner Bankenexperten Thomas Hartmann-Wendels (Seite 8), Währungsexperten aus Frankfurt (Seite 13) oder Autoren aus den USA (Seite 10).

Der Bundestag hat im Zusammenhang mit der Krise Gesetze en masse produziert - von den Konjunkturpaketen über die Schuldenbremse bis zu den Euro-Hilfen. Haben diese uns vor dem Schlimmsten bewahrt? Das Urteil zweier renomierter Ökonomen finden Sie auf den Seiten 4 und 5.

Eine Reportage aus den USA kurz vor den Kongresswahlen zeigt, dass die Angst vor dem ökonomischen Absturz in Amerikas Mittelklasse weiter grassiert, obwohl auch dort die Rezession - formal gesehen - vorbei ist (Seite 10). Auf Seite 11 wird erklärt, warum der Dollar noch immer hoch im Kurs steht - trotz gigantischer Staatsverschuldung in den USA. Wie Europa aus den roten Zahlen kommen will und um die Reform des Stabilitätspaktes ringt, finden Sie auf Seite 14. Richtig sparen, aber wie? Diese Frage ist auch unter den Fraktionen des Bundestages höchst umstritten (Seite 14). Einzig die Freude über den Aufschwung eint die Deutschen. Der Boom ist jedoch kein Selbstläufer (Seite 15).

Aus Politik und Zeitgeschichte

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