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Cornelia Stolze
Glossar

Stammzellen

Als Stammzellen bezeichnet man alle Arten von Zellen, die in der Lage sind, sich durch Zellteilung selbst zu vermehren und bei Bedarf spezialisierte Zelltypen oder Gewebe hervorzubringen. Je nach Art der Stammzelle und abhängig von den jeweiligen Umgebungseinflüssen haben sie das Potenzial, verschiedene Zelltypen des Körpers zu bilden. Wissenschaftler unterscheiden insbesondere zwischen embryonalen und adulten Stammzellen.

Embryonale Stammzellen (ES-Zellen)

Sie stammen aus einem sehr frühen Stadium der Embryonalentwicklung und sind in der Lage, jeden der mehr als 200 verschiedenen Zelltypen des Körpers zu bilden. Sie sind zunächst Bestandteil jedes menschlichen Embryos und zwar in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung - dann nämlich, wenn am dritten Tag nach der Befruchtung aus der befruchteten Eizelle durch mehrere Teilungen ein kugelförmiges Gebilde aus 100 bis 150 Zellen entstanden ist. Seit mehr als zehn Jahren kann man ES-Zellen des Menschen im Labor züchten. Längst ist es Forschern auch möglich, etwa Nerven- oder Muskelzellen zu gewinnen.

Adulte Stammzellen

Sie kommen im Körper jedes Menschen vor und dienen als eine Art Nachschublager, etwa für Haut- und Leberzellen. Blutbildende Stammzellen aus dem Knochenmark werden schon lange in der Medizin eingesetzt, etwa zur Behandlung von Leukämiekranken. Die Bezeichnung "adult" (lateinisch: erwachsen) ist irreführend: Auch Stammzellen aus Nabelschnurblut oder im Organismus von Föten gelten als adulte Stammzellen. Der Nachteil: Sie sind weniger vielseitig als ES-Zellen.

Klonen

Als Klonen bezeichnet man alle Verfahren zur Gewinnung einer genetisch identischen Kopie - egal, ob es sich dabei um Erbgut (DNA), eine Zelle oder einen ganzen Organismus handelt. Beim "therapeutischen Klonen" geht es darum, ES-Zellen von einem bestimmten Spender herzustellen. Denn die bereits existierenden Kulturen von ES-Zellen haben einen Nachteil: Würde man das aus ihnen gezüchtete Ersatzgewebe Patienten einpflanzen, würde es vom Immunsystem abgestoßen.

Reprogrammierung

Lange Zeit dachten Forscher, keine Körperzelle eines erwachsenen Menschen könne je wieder etwas anderes werden, als sie ist. Doch selbst ausgereifte Zellen lassen sich so umprogrammieren, dass sie sich wie embryonale Stammzellen verhalten. Dadurch sind sie in der Lage, jeden Zelltyp des Körpers zu bilden.

Stichtagsregelung

Die Gewinnung von Stammzellen aus menschlichen Embryonen ist hierzulande verboten. In Ausnahmefällen erlaubt das Gesetz Einfuhr und Verwendung von im Ausland gezüchteten menschlichen ES-Zellen, wenn diese vor dem 1. Mai 2007 gewonnen wurden und von Embryonen aus künstlicher Befruchtung stammen. Bei jedem Forschungsprojekt wird jedoch unter anderem geprüft, ob es "hochrangig" ist und ob es ethisch vertretbar ist, dafür menschliche embryonale Stammzellen einzusetzen.

Die Autorin ist Wissenschaftsjournalistin in Hamburg.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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