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VOR 50 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Vereinigung ohne Erfolg

24. November 1960: Parteien-Fusion

Der Zerfall begann im Juli 1960. Neun Abgeordnete der Deutschen Partei (DP) kehrten damals ihrer Bundestagsfraktion den Rücken und schlossen sich der Unionsfraktion an. Die verbliebenen sechs DP-Parlamentarier bildeten zunächst eine Gruppe und beschlossen am 24. November 1960 eine Fusion mit dem Gesamtdeutschen Block/Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/ BHE). Im April 1961 wurde der Zusammenschluss zur Gesamtdeutschen Partei (GDP) auf einem Parteitag vollzogen. Kurios an der "Parteien-Ehe" war, dass die GDP völlig verschiedene Wählergruppen erfasste und auf Stimmen aus den unterschiedlichsten Lagern hoffen musste: Während die DP bürgerliche, konservative Wähler ansprach, war der GB/BHE eine Interessenpartei für "Heimatvertriebene". Was die beiden Parteien einte, waren schlechte Wahlergebnisse und düstere Prognosen für die Bundestagswahl 1961. Das Überwinden der Fünf-Prozent-Hürde schien in weiter Ferne. Mit vereinten Kräften hoffte man, trotzdem ins neue Parlament einzuziehen. "Es ist legitimes Anliegen jeder Partei, in den Bundestag zu wollen und sich soviel Mandate wie möglich zu sichern", sagte ihr Vorsitzender Herbert Schneider. Am Ende ging die Rechnung jedoch nicht auf: Bei der Bundestagswahl 1961 kam die Partei auf nur 2,8 Prozent. Das Wahlergebnis zeigte, dass die meisten Flüchtlinge und Vertriebenen 16 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der westdeutschen Gesellschaft angekommen waren - und ihr Status nicht mehr ihre politische Präferenz bestimmte. 1969 trat die GDP das letzte Mal zur Bundestagswahl an. Sie erhielt 0,1 Prozent.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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