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ORTSTERMIN BEIM: SPATENSTICH FÜR BUNDESTAGS-ERWEITERUNG
Ramona Vogel
»Nicht nur symbolischer Charakter«

Wenn Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) und Wolfgang Thierse (SPD), Vizepräsident des Deutschen Bundestages, an einem kalten grauen Berliner Vormittag gemeinsam zur Schaufel greifen, muss es sich um ein bedeutendes Projekt handeln.

Mit ihrem symbolischen ersten Spatenstich am vergangenen Dienstag ist der Ausbau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses offiziell begonnen worden. Ramsauer betonte beim feierlichen Baubeginn die Aufgabe, der sich Architekten und Planer stellen mussten: "Die Gebäude des Bundestages stehen für den Kern unserer repräsentativen Demokratie, für die Herrschaft des Volkes." Das Bauvorhaben stellt den Endpunkt des vom Berliner Architekten Axel Schultes konzeptionierten "Band des Bundes" dar. Es erstreckt sich als Ost-West-Achse vom Kanzleramt über das Paul-Löbe-Haus, wo die Bundestagsausschüsse tagen, über die Spree, die früher deutsch-deutsche Grenze und Todesstreifen zugleich war, hin zum Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, wo Bibliothek und Archiv des Bundestages untergebracht sind. Nun erfährt das Band mit seiner Vollendung und Öffnung für die Bürger seinen logischen Abschluss. "Mit diesem Gebäudekomplex sollte etwas Doppeltes verbunden werden, Legislative und Exekutive, West und Ost. Eine Idee, die im Nachhinein brillant zu nennen ist", resümierte Wolfgang Thierse die letzte Bauetappe. Eine große Freitreppe und ein öffentliches Café mit rund 200 Plätzen sind ebenso Bestandteil des Anbaus wie 300 zusätzliche Abgeordneten-Büros, ein Turm und ein großer Fest- und Konferenzsaal. Wenn er 2014 fertig ist, sollen in der imposanten Kulisse des Innenhofes alle öffentlichen Veranstaltungen des Bundestages stattfinden. Der Saal wird bis zu 2.000 Menschen Platz bieten. "Die Besucherterrasse wird gleichzeitig den Zugang zum Veranstaltungssaal bilden. Wir möchten eine große Eintrittsgeste bieten", erläuterte Stephan Braunfels, Architekt des Anbaus, sein Konzept. Die durch großzügig angelegte Fensterfronten präsentierte Offenheit werde somit in eine tatsächliche Öffnung umgesetzt. Braunfels zeichnete schon für die Entwürfe des Paul-Löbe- und des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses verantwortlich.

Namensgeberin des Hauses ist die liberale Politikerin Marie Elisabeth Lüders. Als Mitglied der Nationalversammlung und des Reichstages der Weimarer Republik kämpfte sie für die Gleichberechtigung der Frau, eine verbesserte Arbeitslosenfürsorge, für den Kinder- und Jugendschutz sowie eine Reform des Strafrechts.

Ein weiteres Highlight des Ausbaus ist die in der Konzeption berücksichtigte finale Unterbringung der Skulptur "Kosmos 70" des Künstlers Bernhard Heiliger im insgesamt 36 Meter hohen Turm des Komplexes. Die zweiteilige Hängeskulptur war von 1970 bis 1994 im Foyer des Reichstages installiert und wurde im Rahmen der Umbauten durch Norman Foster entfernt. "Es war ein großer Wunsch des Parlamentes, dass dieses große Kunstwerk endlich einen Platz findet", erläuterte Braunfels und betonte: "Dieser Anbau hat nicht nur symbolischen Charakter, die Bevölkerung soll diesen Ausbau als ihren Eingang erleben."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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