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Tatjana Heid
Kein Grund zum Jubeln

PISA-STUDIE Knapp zehn Jahre nach der ersten Studie bleibt der große Erfolg noch aus

Fast hätte der "Pisa-Schock" die Wahl zum Wort des Jahres 2002 gewonnen. Zuvor hatte das mittelmäßige Abschneiden deutscher Schüler in dem Schulleistungstest der OECD ganz Deutschland wachgerüttelt. Sieger wurde trotzdem nicht der "Pisa-Schock", sondern das Wort "Teuro". Aber das ist - streng genommen - auch gar nicht so weit weg von Pisa, denn Bildungspolitik stolpert oft über die Finanzierungsfrage. Das hat sich auch fast zehn Jahre und drei Studien später nicht geändert. Kein Wunder also, dass nach der Veröffentlichung der vierten Pisa-Studie am vergangenen Dienstag über Finanzierung gestritten wird - unter anderem auch mal wieder über das Kooperationsverbot, das dem Bund Investititonen im Bildungsbereich untersagt. "Kaum jemand hält das Verbot noch für sinnvoll", sagt Ulla Burchardt (SPD), Vorsitzende des Bildungsausschusses (siehe Interview auf Seite 2). Der Bund müsse dafür sorgen, dass die Länder genug Mittel haben, um ihre Aufgaben zu erfüllen.

Leichte Verbesserungen

Bei der diesjährigen Pisa-Studie wurden 15-jährige Schüler aus 65 Ländern getestet. Schwerpunkt war wie schon in der ersten Studie die Lesekompetenz. Hier sind die Leistungen deutscher Schüler weiterhin nur Mittelmaß. In Mathematik und Naturwissenschaften liegen sie dagegen mittlerweile über dem Durchschnitt. Wie schon die erste Studie offenbarte auch die aktuelle eine auffallend hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Dagegen hat sich die Schulsituation von Migrantenkindern verbessert, auch wenn sie im Schnitt schlechter abschneiden als deutschstämmige Schüler.

Ganztags- und Gemeinschaftsschule

Politiker aller Fraktionen gaben trotz besserer Ergebnisse keine Entwarnung. Deutschland müsse "noch mehr Bildungsrepublik" werden, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Deutschland habe sich zu lange ausgeruht, erklärte Patrick Meinhardt, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Es müsse verstärkt an der sozialen Gerechtigkeit in der Bildung gearbeitet werden. Neun Jahre nach der ersten Studie habe sich nicht viel verändert, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Rosemarie Hein. Das gegliederte Schulsystem müsse abgeschafft werden. Der Vorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, betonte, dass Deutschland trotz des Fortschrittes nur im "Schneckentempo" vorankomme. Ganztagsschulen müssten flächendeckend zur Regel werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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