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Götz Hausding
Einen Schritt hinterher

MEDIENKOMPETENZ Nachholbedarf bei Eltern und Lehrern

Berlin versucht es mit dem "Internet-Seepferdchen". In der vergangen Woche gab die Senatsverwaltung für Bildung den Startschuss zum gleichnamigen Medienprojekt. Kinder sollen nun auf dem Internet-Seepferdchen-Portal unter Betreuung ihrer Lehrer und ihrer Eltern gefahrlos die Nutzung von E-Mail und Chat üben. Ziel der Maßnahme: Die Erlangung von Medienkompetenz.

Zu wissen, wie moderne Medien wie das Internet oder Computerspiele funktionieren, gehört heute für Kinder und Jugendliche zum Kleinen Einmaleins. Ebenso aber auch, ihre kreativen Potenziale und ihre Risiken zu kennen. Schließlich wird Medienkompetenz immer wichtiger, um am politischen und sozialen Leben teilnehmen zu können, wie die zu einer öffentlichen Anhörung der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" am vergangenen Montag geladenen Experten einhellig befanden.

Qualifizierung angemahnt

Um zu einem selbstbestimmten Umgang mit den neuen Medien befähigt zu werden, müssten daher Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und Lehrer intensiv und frühzeitig geschult werden, lautet ihre Forderung. Bisher jedoch gebe es insbesondere bei der Schulung von Pädagogen "zentrale Defizite", wie Mechthild Appelhoff, von der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen, sagte. Die Herausforderung der nächsten Jahre bestehe aus ihrer Sicht deshalb darin, die große Zahl der Multiplikatoren, "die selber nicht in der digitalen Welt groß geworden sind und sich vielfach selbst nicht kompetent fühlen, zu qualifizieren".

Leitbild der pädagogischen Maßnahmen müsse "Diskussion und Reflexion" sein, sagte Kathrin Demmler, Direktorin beim Institut für Medienpädagogik München und verwies darauf, dass gerade bei den neueren Medien die Jugendlichen den Pädagogen oft "einen Schritt voraus sind".

Es dürfe nicht Medienkompetenz mit Medienqualifikation gleichgesetzt werden, forderte Harald Gapski vom Grimme-Institut. Medienkompetenz bedeute, kreative Problemlösungen bei offenen Handlungssituationen zu finden und gehe über "abfragbares Bedienungs- und Handhabungswissen" hinaus.

Kompetenzstärkung statt Regulierung lautete die Forderung von Gerd Gigerenzer, Direktor beim Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Eine neue Generation, die wisse, wie es zur Sucht nach neuen Technologien komme und eine kritische Beurteilung von Informationsquellen gelernt habe, biete eine bessere Chance für den Umgang mit neuen, heute noch unbekannten Technologien, sagte er.

Auf Defizite im Umgang mit digitalen Medien im deutschen Bildungswesen verwies Hannes Schwaderer, Geschäftsführer bei Intel Deutschland. Viele andere "ressourcenarme" Länder hätten flächendeckende Programme begonnen, die jedem Schüler einen eigenen PC als "Lernwerkzeug in geschützten Räumen" an die Hand geben würden. Deutschland habe da "deutlichen Nachholbedarf"

Aus Politik und Zeitgeschichte

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